StN: Straßburg - 5000 Menschen demonstrieren
Stuttgarter Nachrichten, 21.10.02
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> 5000 Menschen demonstrieren
> Für europaweiten Atomausstieg
Straßburg - 5000 Menschen haben am Sonntag in Straßburg für einen
europaweiten Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. Die Teilnehmer
aus mehreren europäischen Ländern, darunter eintausend aus Deutschland,
bildeten um das Europaparlament und den Europarat eine zwei Kilometer
lange Menschenkette. Zu der friedlich verlaufenen Großkundgebung hatten
vor allem Atomkraftgegner aus Deutschland und Frankreich aufgerufen. Die
französische Polizei hatte mit einem massiven Aufgebot die Gebäude des
Europarats und des Europaparlaments hermetisch abgeriegelt.
Auf Transparenten forderten die Atomkraftgegner "Atomausstieg sofort
weltweit", "Stop Castor" oder "Lasst uns den Atomkraftwiderstand
globalisieren". Am Kanalufer zwischen Europarlament und Europarat
schichteten die Demonstranten aus Konservendosen gebastelte "Mini-
Atomfässer" zu einer Pyramide auf, die mit dem schwarz-gelben Zeichen für
Radioaktivität beklebt waren. Die Demonstranten wollten damit auf die
ungelöste Entsorgung des Atommülls hinweisen.
Der Protest in Straßburg richtete sich besonders gegen die Atompolitik
der französische Regierung. Redner warfen sowohl den linken als auch den
konservativen Parteien in Frankreich vor, weiter unbeirrt am Atomstrom
festzuhalten, obwohl die Mehrheit der Franzosen für einen Atomausstieg
sei.
Die Demonstranten protestierten aber auch gegen die in Frankreich
anstehende Entscheidung über den neuen Reaktortyp EPR (European
Pressurized Reactor), der nach den Plänen des deutsch-französischen
Konsortiums Framatom und Siemens alternde Atomkraftwerke nach und nach
ersetzen soll. Dies könnte auch das oberelsässische Atomkraftwerk
Fessenheim betreffen. Damit, so die Befürchtungung der Demonstranten,
wäre in Frankreich ein Atomausstieg für die kommenden 10 bis 15 Jahre
außer jeder Diskussion.
Die Demonstranten kamen nach Angaben der Organisatoren vor allem aus
Deutschland und Frankreich, aber auch aus der Schweiz, den Niederlanden,
Dänemark, Österreich, Finnland und Schweden. Unter den deutschen
Teilnehmern waren neben Mitgliedern des Aktionsbündnisses CASTOR-
Widerstadt Neckarwestheim auch Bauern aus Lüchow-Dannenberg bei Gorleben,
wo das erste deutsche Atommüllendlager geplant ist.
dpa/lsw