StZ: Der schwarze Peter ist abgeschoben
Stuttgarter Zeitung, 23.10.02
> Gemmrigheim und das VGH-Urteil
> Der schwarze Peter ist abgeschoben
Der erste Rechtsanwalt Gemmrigheims hat sein Mandat vor fast zwei Jahren
niedergelegt. Der angesehene Jurist Hans-Jörg Birk versicherte damals,
dass die Gemeinde das ungeliebte Zwischenlager nicht verhindern kann. Die
Gemeinderäte meinten, es besser zu wissen. Sie engagierten einen neuen
Anwalt, der ihnen zuerst Mut machte, dann aber auch erkennen musste:
Gemmrigheim hat keine Chance.
Die Mehrheit der Kommunalpolitiker wollte sie dennoch nutzen. Verzweifelt
und beharrlich, aber auch trotzig haben die Räte versucht, den
strahlenden Müll von ihrer Haustür fern zu halten. Bebauungs- und
Erschließungspläne, die immer aberwitziger wurden, haben sie aus dem Hut
gezaubert, sehr viel Geld dafür und für Gerichtskosten ausgegeben und
sogar die Apelle ihres einst recht zuversichtlichen Anwaltes Till
Bannasch in den Wind geschlagen. Dieser hat sich, wie er gesteht, die
Argumente, die die Richter des VGH beeindrucken sollten, zuletzt aus den
Fingern ziehen müssen. Das Argument der Gemeinderäte war zuletzt stets
dasselbe: Sie wollten das Lager nicht zu verantworten haben, die
Entscheidung darüber sollten "die da oben" treffen.
Nun ist es so weit. Das Ja zum Tunnel, so es kommt, erteilt das
Landratsamt. Das hat der VGH entschieden. Geht es nach dem CDU-Rat Sven
Herold wird Gemmrigheim dennoch über weiteren juristischen Schachzügen
brüten. Ob Till Bannasch in diesem Falle sein Mandat auch niederlegt? Für
die Gemeinde hätte dies de facto keine Konsequenz. In Sachen
Zwischenlager wird nun endgültig an ihr vorbei entschieden. Die Räte
haben nichts mehr zu melden.
Von Verena Mayer
Aktualisiert: 23.10.2002, 09:14 Uhr