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StN: Rückschlag für Atomgegner



Stuzttgarter Nachrichten, 23.10.02

> Neckarwestheim
> Rückschlag für Atomgegner
 
Mannheim - Die Atomkraftgegner in Baden-Württemberg müssen erneut einen 
Rückschlag hinnehmen. Nach der Laufzeitverlängerung für den ältesten 
deutschen Atommeiler in Obrigheim rückt nun auch der Bau des Atommüll-
Zwischenlagers in Neckarwestheim immer näher. Der Verwaltungsgerichtshof 
Baden- Württemberg (VGH) erklärte die Ablehnung der Baugenehmigung durch 
die Gemeinde Gemmrigheim (Kreis Ludwigsburg) für rechtswidrig.

Seit langem kämpft die 3700-Seelen-Gemeinde gegen den Bau des 
Zwischenlagers und scheute nicht den Gang durch die gerichtlichen 
Instanzen. Aber auch mit rund 3500 Einwendungen gegen das 
Genehmigungsverfahren im Rücken war die Argumentation der Gemeinde den 
Mannheimer Richtern zu dünn. Der Verweis auf einen nicht einzuhaltenden 
Regionalplan reichte nicht aus, um den Baustopp für das unterirdische 
Lager weiter aufrecht zu erhalten.

Während die Geschäftsführung des Kraftwerksbetreibers mit Freude und 
Erleichterung auf den Richterspruch reagierte, hüllten sich die 
Verantwortlichen in Gemmrigheim in Schweigen. Bürgermeisterin Monika 
Tummescheit sei im Urlaub, teilte die Gemeindeverwaltung mit. 
Stellvertreter Jörg Frauenhammer war bis zum Abend nicht zu sprechen.

Von Mitte 2005 an soll der Atommüll in zwei Stollen gelagert werden. "Mit 
dem Urteil haben wir jetzt endlich Planungssicherheit für den Bau", sagte 
der Geschäftsführer des Gemeinschaftskraftwerks Neckar (GKN), Wolfgang 
Heni. Im Sommer nächsten Jahres soll mit dem Bau begonnen werden. Das 
Zwischenlager soll nach 24 Monaten betriebsbereit sein. Die Kosten für 
das Vorhaben belaufen sich Heni zufolge auf 30 Millionen Euro.

Bei dem seit Anfang 2000 währenden Rechtsstreit geht es um ein rund 50 
Hektar großes Gelände. Die beiden unterirdischen Stollen für das 
Zwischenlager sollen jeweils 80 Meter lang und 30 Meter breit werden. Sie 
böten Platz für bis zu 152 Atom-Behälter. "Da uns der Atom-Konsens bis 
zum 1. Juli 2005 Atom-Transporte erlaubt, passt der Zeitplan genau", 
meint der Geschäftsführer.

Der VGH hat aber noch nicht endgültig grünes Licht für den Bau gegeben. 
Die Richter des 3. Senates verpflichteten das Land Baden- Württemberg 
dazu, nun neu über den Bauantrag zu entscheiden. In der Praxis wird die 
Entscheidung auf das Landratsamt Ludwigsburg zukommen, das für die 
Gemeinde zuständig ist. Da das Amt bereits im laufenden Rechtsstreit die 
Gemmrigheimer für ihr Vorgehen gerügt hatte, scheint eine erneute 
Ablehnung des Bauantrags unwahrscheinlich.

dpa/lsw