[älterer Artikel][Neuerer Artikel][Übersicht][

SWR: Atomkraftwerk geht erst 2005 vom Netz



SWR, 14.10.02

> Obrigheim  
> Atomkraftwerk geht erst 2005 vom Netz 

Das umstrittene Atomkraftwerk Obrigheim darf zwei Jahre länger am Netz 
bleiben als im Atomkonsens vorgesehen. Das gab Umweltminister Jürgen 
Trittin (Grüne) am Montag bekannt. 
Im Streit um die Verlängerung der Laufzeit des ältesten deutschen AKW 
wurde damit ein Kompromiss erzielt. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) 
hatte eine Verlängerung der Laufzeit von fünf Jahren beantragt und sich 
dabei auf eine Zusage von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) berufen. 
Trittin erklärte, dass die Entscheidung nicht in den Koalitionsvertrag 
aufgenommen werden. Der EnBW-Chef Gerhard Goll sagte, die Entscheidung 
der Bundesregierung stelle ihn zwar nicht zufrieden, aber er werde sie 
sorgfältig prüfen. 
Die baden-württembergische SPD kritisierte den Beschluss: "Wir hätten uns 
etwas anderes gewünscht", meinte ein Sprecher am Montagabend.
Die Landes-Grünen wollen den Kompromiss nicht mittragen. Der 
Landesvorstand halte die Entscheidung für falsch, sagte Landeschef Braun 
den "Stuttgarter Nachrichten" (Dienstagsausgabe). Trittin werde 
aufgefordert, dem Landesvorstand Rede und Antwort zu stehen. Zunächst 
hatte es geheißen, der Grünen-Landesvorstand Baden-Württemberg wolle dem 
Koalitionsvertrag im Bund trotz der verlängerten Betriebsdauer für 
Obrigheim zustimmen. 
Landesumweltminister Ulrich Müller (CDU) warf der Bundesregierung 
"Wortbruch in doppelter Richtung" vor. Zum einen hätten SPD und Grüne die 
Wähler betrogen, indem sie sich auf eine längere Laufzeit für das 
Atomkraftwerk geeinigt hätten. Zum anderen habe Schröder die 
Betreiberfirma mit seiner 5-Jahres-Zusage betrogen.