Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
 Ludwigsburger Kreiszeitung, 30.05.98
 

Auch GKN-Behälter ,,strahlten"
Grenzwerte wurden um bis zum Fünffachen überschritten

Neckarwesthelm - Auch an leeren Atommüll-Behältern des GKN aus Wiederaufarbeitungsanlagen sind überhöhte Strahlenwerte gemessen worden.
Dies bestätigten gestern Sprecher des Kernkraftwerks Philippsburg und des Gemeinschaftskernkraftwerks Neckar (GKN) in Neckarwestheim.
Mitte Mai war bekannt geworden, daß Brennelemente-Behälter aus deutschen Kernkraftwerken bei der Ankunft in den Wiederaufarbeitungsanlagen im französischen La Hague und im britischen Sellafield überhöhte Strahlenwerte aufwiesen. Bei der Abfahrt der Behälter allerdings lagen die gemessenen Werte nach den Meßprotokollen unter dem Grenzwert von vier Becquerel pro  Quadratzentimeter.  Daß auch leere Behälter aus den Wiederaufarbeitungsanlagen solche Verunreinigungen aufwiesen war bisher nicht bekannt.
Die Behälter für den Transport der Brennelemente aus den Kernkraftwerken zur Wiederaufarbeitung stellen die Betreiber der Wiederaufarbeitungsan lage zur Verfügung. Ob die Behä1ter bereits bei der Abfahrt überhöhte Werte aufwiesen, war gestern unklar.
Beim GKN wurden bisher nur Protokolle aus dem Zeitraum 1992 bis 1996 gesichtet. Dabei  seien sieben von 45 Behältern bei der Ankunft im Kernkraftwerk ,,leicht kontaminiert" gewesen. An einzelnen Stellen seien zwischen fünf und 25 Becquerel gemessen worden. ,,Wir haben nicht nach den Ursachen gefragt, sondern schlicht gereinigt" sagte der GKN-Sprecher. Den Behörden seien die Meßergebnisse nicht gemeldet worden. Der GKN-Sprecher betonte, bei den Grenzwerten von vier Becquerel pro Quadratzentimeter handle es sich nach der Gefahrgutverordnung nicht um einen Gefahrengrenzwert, sondern nur um einen ,,Jnterventionsgrenzwert".
Nach Einschätzung von Vertretern der Energie Baden-Württemberg (EnBW) ist die Ursache der erhöhten Strahlenwerte für Behälter, die in den Wiederaufar-beitungsanlagen ankommen, bisher noch nicht eindeutig geklärt. Die Behälter seien dicht und würden vor der Abfahrt dekontaminiert. Möglich sei aber zum Beispiel, daß beim Beladen der Behälter unter Wasser radioaktive Partikel in schwer zugänglichen Ritzen an der Außenwand zurückbleiben, die sich dann während des Tränsports lösen. Das Kernkraftwerk Philippsburg gehört der EnBW Außerdem ist EnBW mit am GKN und am Atomkraftwerk Obrigheim beteiligt.
Am Vortag hatte Professor Otto Hasenkopf, Vorstandsmitglied der  Neckarwerke  Stuttgart (NWS) AG, die einen 70-Prozent-Anteil am Gemeinschaftskernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) hält, versichert, daß weder von der französischen Cogema mit ihrer Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague noch von der britischen Anlage in Sellafield  Beanstandungen  über Atombehälter aus Neckarwestheim gemeldet worden seien. Man habe deren Meßtabellen angefordert und festgestellt, daß an den Behältern nur ,,kleine Verstrahlungen" registriert worden seien, die aber unter dem Grenzwert von vier Becquerel pro Quadratzentimeter gelegen hätten. Auch bei den Castor-Transporten nach Ahaus und Gorleben hätten Messungen keine erhöhte Strahlung ergeben. Sie seien ,,korrekt abgewickelt" worden. Die GKN-Geschäftsführung sei von Landesumweltminister Schaufler eingeladen worden, um  den Zehn-Punkte-Plan von Bundesumweltministerin Angela Merkel zu erörtern und umzusetzen. Man rechne erst für das nächste Frühjahr wieder mit einem Castor-Transport.
 

 

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