Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
Ludwigsburger Kreiszeitung, 22.05.98

Vom Transportstopp für Atombehälter sieht sich das GKN ,,zunächst nicht betroffen"
Ein Sprecher: Für 1998 sind ohnehin keine Castor-Einsätze mehr vorgesehen

Neckarwestheim - (ad/lsw) Das Gemeinschaftskernkmftwerk Neckar (GKN) ist, wie dessen Sprecher Uwe Mundt auf LKZ-Anfrage betonte, von dem Stopp der Atomtransporte durch Bonn ,,zunächst nicht betroffen".
Für dieses Jahr sei ohnehin kein Transport abgebrannter Brennelemente mehr vorgesehen, weder zur Wiederaufbereitung in Großbritannien noch zur Zwischenlagerung in
Aarhus, erklärte Mundt. Bei den ins Zwielicht  geratenen  Behältern handle es sich nicht um Castoren wie sie vom GKN für die Transporte nach Ahaus und Gorleben benutzt worden seien, sondern um sogenannte NTL 11-Behälter. Diese Behälter dienten ausschließlich dem Transport und würden wiederverwendet. Mundt räumte jedoch ein, daß an den NTL 11-Transportbehältern die Stoßdämpfer unzureichend seien. Bis Ende des Jahres sollen neue Behälter mit besseren Stoßdämpfern zur Verfügung stehen. Castor-Transporte mit atomaren Brennelementen wird es vorerst auch im Inland riicht mehr geben. Die Bundesregierung hat nach dem Bekanntwerden der Verstrahlung von Behältern im englischen Sellafield und in der französischen Anlage La Hague al-le Transporte gestoppt (siehe Seite 1 dieser Ausgabe).
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte es zuvor als ,,unverantwortlich" bezeichnet, daß man ,,Menschen verheizt" die beruflich die Pflicht haben, diese Transporte zu begleiten". Das Zurückhalten von Informationen über den Trans-port von verstrahlten Castorbehäl-tern sei ,,eine Unverschämtheit, die man sich nur in einer Diktatur leisten kann, nicht aber in einer Demokratie"' sagte der GdP-Vorsitzende Hermann Lutz im Jugendradio des Mitteldeutschen Rundfunks, MDR Sputnik.
Die Umweltorganisation Greenpeace prüft ,,angesichts des neue-sten Castor-Skandals" rechtliche Schritte gegen die ,,offensichtlich kriminellen Machenschaften der deutschen Atomindustrie". Greenpeace forderte, den Atomkraftwerksbetreibern die Betriebsgenehmigungen zu entziehen. ,,Die Atommülltransporte  der letzten zehn Jahre sind illegal gewesen, jetzt müssen umgehend politische Konsequenzen gezogen werden", sagte der Atomexperte Michael Kühn.

 

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