Ludwigsburger Kreiszeitung, 08.11.99
Erster Protest gegen Zwischenlager mit 600 Demonstranten
Kernkraftgegner: Den Atommeiler sofort abschalten -Anwohner fordern
Abtransport der ausgemusterten Brennelemente
KIRCHHEIM / GEMMRIGHEIM
(ad) - Erstmals haben sich Bewohner der GKN-Nachbargemeinden in großer
Zahl einer Demonstration von Kernkraftgegnern angeschlossen. Rund 600 Menschen
demonstrierten gestern vor dem Tor des GKN.
Am Haupttor wehte ein Transparent mit der Aufschrift: "Für Castortransport,
für mittelfristigen Ausstieg" und mit roter Schrift "gegen Zwischenlager".
Schnell hängten die Kernkraftgegner ihre Ziele neben das Transparent:
"Für sofortigen Ausstieg". Damit wurde deutlich, dass der Protest
gegen das Kernkraftwerk eine neue Qualität hat.
Für die Fortsetzung der Castortransporte sind gestern nahezu 250
Gemmrigheimer auf die Straße gegangen. Über 350 Demonstranten
waren dem Aufruf des Bundes der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar
gefolgt und haben sich beim Bahnhof in Kirchheim versammelt. Wolfgang Scheffbuch
machte deutlich, dass die Bürgerinitiativen sowohl das geplante Zwischenlager,
wie auch die Castortransporte ablehnten. Das Gelände beim GKN sei
für einen Atom-Müll-Stollen ungeeignet; er gefährde die
Sicherheit der Menschen der ganzen Gegend. Die Abluft aus dem Stollen gelan-e
ungehindert in die Umwelt. "Wir werden das nicht zulassen", sagte der Redner.
Die Polizei hatte die Demonstration beobachtet und den Zug über
die Neckarbrücke und die Landesstraße zum GKN gesichert. Auf
der Höhe trafen die Demonstrationszüge aus Kirchheim und Gemmrigheim
aufeinander; eine Zwischenkundgebung wurde veranstaltet. Zahlreiche Sprecher
wiederholten die Forderungen der Kernkraftgegner.
Vor dem Haupttor des Kraftwerks, auf dem Parkplatz, fand die Schlußkundgebung
statt. "Die Region macht gegen das geplante Atommülllager mobil",
stellte ein Sprecher fest. Diese erste Protestkundgebung finde statt, bevor
der Antrag zur bau- und atomrechtlichen Genehmigung eines Zwi-chemlagers
eingereicht werde. Den Kernkraftgegnern ist es gelungen, Bürger, vor
allem aus Gemmrigheim, zu mobilisieren.
Der Neckarwestheimer Landwirt Gottfried Kazenwadel sprach das aus,
was viele dachten: "Ich habe Zweifel an der Sicherheit und möchte
nicht, dass das Risiko hier am Atomstandort durch ein Zwischenlager noch
größer wird."
Vertreter der Bürgerinitiativen kündigten an, mit den Bürgern
Gespräche zu suchen, um sie zu überzeugen, dass nur ein Abschalten
die Probleme löst.
Kritik gab es für die rot-grüne Bundesregierung. Die Basis
vertehe das Taktieren nicht und fordert endlich Klarheit und Taten.
