Heilbronner Stimme, 02.11.1999
Atommüll "zurück an Absender"
Protestaktion startet in Kirchheim gegen
Transporte zu Wiederaufbereitungsanlagen
Von Helmut Buchholz
"Return to sender" - "Zurück zum Absender": Unter diesem Motto
rollten rund 35 Kernkraftgegner am Samstag symbolisch etwa 16
Atommüllfässer vom Kirchheimer Marktplatz bis vor die Tore
der
Neckarwerke in Stuttgart. Der Protest richtet sich gegen den
Transport des Atommülls in die Wiederaufbereitungsanlagen.
Um neun Uhr morgens schlüpften die Atomkraftgegner auf dem
Kirchheimer Marktplatz in weiße Overalls und machten sich mit
den
Fässern auf den Weg. Mit Schlagzeugstöcken hämmerten
sie auf die
symbolischen Atommüllfässer ein. Herbert Würth, Pressesprecher
des
Aktionsbündnisses Castor-Widerstand Neckarwestheim, der die Demonstration
veranstaltete, begleitete den Protestzug mit dem Megaphon zum
Bahnhof. Erstes Etappenziel der Demo war zunächst der Kirchheimer
Bahnhof.
Von dort ging es mit dem Zug nach Ludwigsburg, und schließlich
- nach
einem Zwischenstopp in der Fußgängerzone der Barockstadt
- nach Stuttgart.
Die Abschlussaktion war vor der Hauptverwaltung der Neckarwerke in
Stuttgart geplant. Der Aktionstag fand zeitgleich in mehreren Städten
Europas statt, initiiert wurde er von englischen Atomkraftgegnern.
Mit der Demo möchte das Aktionsbündnis auf die "ungeklärte
Endlagerfrage" aufmerksam machen, wie Würth sagte. Von Neckarwestheim
seien 168 Atommülltransporte in Wiederaufbereitungsanlagen gestartet.
Allein 147 ins französische La Hague, seit 1997 drei ins britische
Sellafield. Das GKN Neckarwestheim habe zudem einen Antrag auf zehn
Atommülltransporte nach Sellafield gestellt. Doch mit dem
Wiederaufbereiten "vervielfachen wir den Atommüll", erklärte
Würth. Die
Atomkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung aller Kernkraftwerke.
Die Neckarwerke sind die Haupteigner der Kernkraftwerke in
Neckarwestheim und Obrigheim.