Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
Den Reaktoren droht ab 2001 die Stilllegung
    Heilbronner Stimme, 21.09.99

    Den Reaktoren droht ab 2001 die Stilllegung

    Ohne Genehmigung für die Atommüll-Transporte muss GKN in 
    Neckarwestheim im Frühjahr 2000 die Leistung drosseln

    Von Joachim Kinzinger

    Seit Mai warten die GKN-Betreiber in Neckarwestheim auf die 
    Transportgenehmigung für den Atommüll. Wenn die Erlaubnis noch lange
    ausbleibt, wird es für einen Reaktor im Frühjahr 2000 kritisch. Dann muss
    die Leistung gedrosselt werden. Beide Blöcke müssten im Jahr 2001 vom
    Netz. 

    Sechs deutschen Kernkraftwerken droht demnächst die Stilllegung, wenn sie
    den hochradioaktiven Abfall nicht zur Wiederaufarbeitung ins Ausland oder
    zur direkten Zwischenlagerung nach Ahaus fahren dürfen. Das geht aus einem
    vertraulichen Brief von Bundesumweltminister Jürgen Trittin ans Kanzleramt
    hervor, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hat. 

    Was bedeutet dies für die beiden Atommeiler in Neckarwestheim? "Wir 
    können im Frühjahr 2000 einen Reaktor nicht mehr vollständig 
    beladen", erklärt GKN-Pressesprecher Uwe Mundt, da die Abklingbecken fast
    voll sind. Die Folge: Einige Brennelemente fehlen, die Leistung sinkt,
    weniger Strom wird produziert. 

    "Ein Jahr darauf wäre Feierabend, wenn wir nicht transportieren 
    dürfen", weiß der Kraftwerksprecher. Also droht beiden GKN-Meilern im
    Frühjahr 2001 die Stilllegung. 

    Noch gilt der Transportstopp der früheren CDU-Bundesumweltministerin
    Angela Merkel, den sie im Mai 1998 nach den Messungen erhöhter
    Radioaktivität an der Außenhaut von Behältern verhängt hat. Ihr Nachfolger
    Trittin will neue Nuklearmüll-Fuhren erst dann zulassen, "wenn
    festgestellt ist, dass die Grenzwerte während des gesamten Transports
    sicher eingehalten werden." Das WAA-Gutachten liegt noch nicht vor. Bei
    innerdeutschen Transporten, so das Umweltministerium, müssten die
    Atombetreiber noch Empfehlungen abarbeiten. 

    Anfang Mai hat die Firma Nuclear Cargo + Service (NCS) im Auftrag der
    GKN-Manager zwei Anträge für die Transportgenehmigung von Atommüll beim
    Bundesamt für Strahlenschutz eingereicht. GKN will zehn Excellox-
    6-Behälter zur Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) ins britische Sellafield
    schicken. Der erste Leerbehälter ist seit August in Neckarwestheim und
    wird getestet. 

    Zudem wartet GKN auf die Fahrterlaubnis für sechs Castorbehälter Ende
    Dezember oder im Januar 2000 nach Ahaus. Drei leere blaue Castoren stehen
    derzeit im GKN-Hof. Uwe Mundt ist höchst verwundert über diese "zeitlichen
    Verzögerungen." Sonst dauern Genehmigungen ein bis zwei Monate. Außerdem
    hat die Landesregierung die Weisung erteilt: ohne Fahrterlaubnis kein
    Beladen. "Wir wollen sicherstellen, dass die Transporte auch abgefahren
    werden", so erklärt Hans Klöppner Pressesprecher im Umweltministerium,
    dieses Signal des Ministeriums.


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