Ludwigsburger Kreiszeitung, 8.9.99
Resolution gegen das Zwischenlager
Standortgemeinden wollen Druck auf Bundesregierung
ausüben
Gemmrigheim/Neckarwestheim -(bor) Mit einer an die Bundesregierung gerichteten
Resolution wollen Gemmrigheim und Neckarwestheim gegen das geplante Zwischen
lager für ausgediente Brennstäbe im GKN protestieren. Die Gemeinderäte
müssen dem Text noch zustimmen.
Der Neckarwestheimer Bürgermeister Mario Dürr und seine Gemmrigheimer
Kollegin Monika Tummescheit haben sich auf den Wortlaut des Papiers
geeinigt. Darin formulieren sie drei Forderungen: Atomtransporte sollen
wieder zugelassen und die bestehenden Zwischenlägerkapazitäten
genutzt werden. Außerdem sei der Salzstock in Gorleben weiterzuführen
und eine Aussage über dessen "Geeignetheit als Endlager zu treffen".
Der Neckarwestheimer Gemeinderat berät heute Abend über den Resolutionsvorschlag,
die Gemmrigheimer Räte stimmen am 20. September über diesen ab.
Ziel der Aktion ist, Druck auf die Bundesregierung auszuüben.
In dem Papier heißt es wörtlich: "Die Bundesregierung hat bis
heute weder die Frage eines Endlagers, noch die Fragen der anstehenden
Transporte oder den Weiterbetrieb der bestehenden Kernreaktoren beantwortet."
Die Regierung versuche nun, auf dem Rücken der beiden Kommunen
einen Kompromiss zu erzielen,
oder keinerlei Rücksicht auf die Gemeinden und deren Interessen
nehme. Das Schreiben erinnert an die "Prämisse der gerechten Lastenverteilung".
Diese sehe vor, dass der Standort Neckarwestheim die Belastung des Kraftwerks-Betriebs
trage. "Von einer langfristigen Zwischenlagerung abgebranter Brennelemente
war nie die Rede."
Unterdessen hat auch der Neckarwestheimer SPD-Ortsverein ein Protest-Papier
erarbeitet. Adressaten sind unter anderem der Bundes-Parteivorstand der
SPD sowie die SPD-Fraktion im Bundestag. "Wir bitten die Bundesregierung
und die SPD-Fraktion des Bundestages, nicht als Erfüllungsgehilfen
der Grünen bei der Entsorgungsfrage aufzutreten, sondern eine eigenständige,
sachgerechte und nach außen hin vermittelbare Politik umzusetzen",
heißt es darin.
Auch der Ortsverein erhebt drei Forderungen. In Sachen End- und Zwischenlager
an den Kraftwerksstandorten sowie Atomtransporten entsprechen sie jenen
der beiden Gemeinden. Doch er geht noch weiter: "Die GKN-Anlage steht auf
gefährdetem Untergrund, da einerseits tektonische Störungen vorhanden
sind und sich nach wissenschaftlichen Schätzungen jährlich Hohlräume
von rund 1000 Kubikmetern durch Auswaschungen unter dem Kraftwerksgelände
bilden". Zur Vermeidung weiterer Risiken sei der Bau eines Zwischenlagers
daher abzulehnen.
Nach Auskunft von GKN-Pressesprecher Uwe H. Mundt hat das Kraftwerk
bis jetzt noch keine Anträge für den Bau des Zwischenlagers gestellt.
Im Spätherbst sei damit zu rechnen.