Stuttgarter Nachrichten, 21.08.99
Castorgegner protestieren
Verfahrenseinstellung gegen GKN "ein Skandal"
Neckarwestheim - Das Aktionsbündnis Castor-Widerstand hat die Einstellung
der Untersuchungen gegen die GKN-Betreiber wegen der Atommülltransporte
durch die Staatsanwaltschaft heftig kritisiert und als "Skandal" bezeichnet.
VON GÜNTHER JUNGNICKL
Nach mehr als 15 Monaten hatte die Staatsanwaltschaft Heilbronn das
Verfahren in dieser Woche eingestellt, weil nach Auffassung von Oberstaatsanwalt
Johannes Häcker von den Transporten keine Gesundheitsgefährdung
ausgegangen sei. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass die Castor-Transportbehälter
unbelastet waren. Allerdings wurde in den Jahren davor an 26 NTL-11-Behälter
Verstrahlungen weit über den zulässigen Grenzwert hinaus festgestellt.
Aber auch davon sei keine Gefährdung der Umgebung ausgegangen.
Für Markus Steuerwald vom Aktionsbündnis der Bürgerinitiativen
müsse dies bezweifelt werden, angesichts der bis zu 55O-fachen Überschreitung
des gesetzlich festgelegten Grenzwerts. Der Skandal liegt für ihn
vor allem darin, dass bei friedlichen Anti-Atomkraft-Demonstranten die
Einstellung von Verfahren grundsätzlich abgelehnt werden, während
Kernkraftwerksbetreiber ungeschoren davonkämen.
Eine Studie des Darmstädter Öko-Instituts vom Juni dieses
Jahres belege, dass die Gefahren durch die Atommülltransporte von
und nach La Hague wesentlich höher waren als bisher angenommen. Darin
wurde festgestellt, dass sich radioaktiv verseuchte Partikel von der Oberfläche
der Behälter lösen und durch Kühlungsschlitze in die Umgebung
gelangen können. Auf der Haut von Menschen werde der gesetzlich zulässige
Grenzwert für die Strahlenbelastung bei den Betroffenen auf fdas bis
zu 37-fache überschritten.
Steuerwald kündigte an, dass das Aktionsbündnis weiterhin
Widerstand gegen das GKN leisten werde. Mit Blockaden wolle man auf den
Ausstieg aus der Atomenergiewirtschaft pochen.
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