Stuttgarter Nachrichten, 18.08.99
Castoren verstrahlten nicht die Umwelt
Verfahren gegen GKN-Betreiber eingestellt
- Aber hohe Werte bei NTL-Behältern
Neckarwestheim - Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat die
Ermittlungen gegen die Betreiber des Gemeinschaftkernkraftwerks
Neckarwestheim (GKN) wegen Grenzwert-überschreitungen beim Transport
abgebrannter Brennelemente eingestellt.
VON GÜNTHER JUNGNICKL
Strafanzeige hatten Umweltschutzverbände und Beamte des
Bundesgrenzschutzes gestellt. Für den Leitenden Oberstaatsanwalt
Johannes Häcker gab es zwar bei Transporten in NTL-Behältern
zwischen
Neckarwestheim und La Hague (Frankreich) von 1988 bis 1997
Überschreitungen des Grenzwerts (vier Bequerel pro Quadratmeter)
um ein
Vielfaches, doch eine Gesundheitsgefährdung von Menschen habe
es nicht
gegeben. ¸¸In keinem Fall'', so Häcker, seien Kontaminationen
außerhalb
der jeweils auf den Behältern aufliegenden Abdeckhauben festgestellt
worden. Transporte von Castorbehältern aus Neckarwestheim seien
sogar
überhaupt nicht betroffen gewesen.
Dass NTL-Behälter mit strahlenden Partikeln verunreinigt waren,
liegt nach
Expertenmeinung an ihrer Bauart und dass sie unter Wasser beladen werden.
Trotz gründlicher Reinigung habe nicht verhindert werden können,
dass sich
an unzugänglichen Stellen radioaktive Schwebeteilchen aus den
Tauchbecken
anlagerten, die sich dann während des Transports lösten und
am
Bestimmungsort entdeckt wurden. Darüber seien die jeweiligen
Transportfirmen, nicht aber die Betreiber informiert worden.
Häcker: ¸¸Es gibt also keine Anhaltspunkte dafür,
dass die
Beteiligten einen Straftatbestand erfüllt haben.'' Die zusätzliche
Strahlenbelastung der Menschen im Umfeld der Transporte - also auch
der Bundesgrenzschutzbeamten - habe im Übrigen ¸¸im
Höchstfall''
einem Zehntel bis einem Zwölftel der mittleren natürlichen
Strahlenbelastung der Bevölkerung entsprochen.
Ob trotzdem die festgestellten Grenzwertüberschreitungen als
Ordnungswidrigkeit geahndet werden, muss nun die zuständige
Bußgeldbehörde entscheiden:
Baden-Württembergs Umweltministerium.
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