Heilbronner Stimme, 13.8.99
Im Neckarwestheimer Kernkraftwerk ist gestern ein leerer
Transportbehälter des Typs Excellox 6 eingetroffen
- Neue Technik soll getestet werden
Ein "Schutzhemd" für die abqebrannten Brennelemente
Von Claudia Schönberger
Ein leerer Behälter für abgebrannte Brennelemente ist gestern
Morgen per
Bahn im Kohlekraftwerk Walheim eingetroffen. Am Nachmittag wurde er
unter
großem Polizeiaufgebot mit einemTieflader ins GKN Neckar- westheim
gebracht. Atomkraftgegnerversuchten, den Transport zu verhindern. Im
Mai
1998 war's großes Theater. An der Außenhaut von Behältern
aus deutschen
Kernkraftwerken waren bei der Ankunft in den Wiederaufbereitungsanlagen
(WAA) La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien) erhöhte
radioaktive' Werte gemessen worden. Die Behälter "schwitzten".
Die
damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel verhängte eine
Transportstopp, der bis heute gilt. Jetzt soll der Transport sicher
werden. Das Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar (GKN) will - sobald die
Bundesregierung wiede grünes Licht gibt - zum ersten Mal ausgediente
Brennelemente aus BIock 1 mit dem Behälter Excellox zur Wiederaufbereitung
nach Sellafield bringen. Bisher Wurden Behälter des Typs NTL-11
benutzt.
Fü dieses Jahr hat GKN zehn Transporte in die WAA Sellafield beantragt,
Excellox 6 ist ein "Behälter im Behälter". Damit der Container
nicht
während der Belädung im Abklingbecken verschmutzt wird, kommen
die
Brennstäbe in eine fabrikneue sogenannte Multi Element Bottle.
Das ist ein
mit Wasser gefülltes Schutz,das jeweils nur ein einziges Mal verwendet
wird. Dieses wird dann in den Außenbehälter eingesetzt;
der ebenfalls voll
Wasser ist. Geladen wiegt der Excellox rund 90 Tonnen. Das neue
"Schutzhemd" wird jetzt in Neckarwestheim auf seine Handhabbarkeit
geprüft, erklärt Wolf-Dieter Perschmann, der Leiter der
GKN-Brennstoff-Abteilung. Wie lange dauert das Beladen? Stimmen die
Maße?
Bei einem späteren Abtransport soll verstärkt gemessen werden.
Um die
innerbetriebliche Organisation zu verbessern, gibt es jetzt einen
Nukleartransport-Beauftragten. Der gestern angelieferte Behälter
ist
bereits seit 1995 im Einsatz. 'Inzwischen ist er, so Perschmann,
generalüberholt. Er sei bis auf geringfügige Restaktivität
im inneren
gereinigt, an der Außenfläche sandgestrahlt und neu lackiert
worden. Er
hat Platz für sieben Brennelemente. Bereits am frühen Morgen
hatten sich
rund 20 Atomkraftgegner am Bietigheimer Bahnhof eingefunden. Mit einer
Gleisblockade wollten sie die Weiterfahrt des Zugs mit dem Excellox
6
verhindern. Einsatzkräfte des Bundesgrenzschutzes (BGS) räumten
die
Gleise. Die Blockierer müssen mit einer Anzeige wegen Nötigung
rechnen,
erklärt BGS- Pressesprecher Harald Trautmann. Zu einer weiteren
Verzögerung führte ein anonymer Anruf: zwischen Bietigheim
und Walheim
seien die Gleise beschädigt. Näch einer Kontrolle mit einem
Hubschrauber
durfte der Zug weiterfahren. Mit 40 Minuten Verspätung kam er
gegen 7.10
Uhr in Walheim an. Dort riegelten 17 Mitglieder des Aktiongbündnisses
Castor-Widerstand Neckarwestheim in einem unbeobachteten Augenblick
das
Tor mit einem Fahrradschloss ab, damit der Tieflader mit dem Excellox
6
nicht Richtürg GKN abfahren kann. Polizei und Mitarbeiter des
Kohlekraftwerks mussten es unter dem Spott von Atomkraftgegnern wieder
entfernen. Ohne weitere Zwischenfälle traf der Sattelzug dann
gegen 14.15
Uhr in Neckarwestheim ein.
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