| Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim |
| Widerstand gegen Zwischenlager |
Kernkraft / Landwirte schlagen Alarm Widerstand gegen ZwischenlagerVersprechen gebrochen: Wut auf Politiker¸¸Alles mobil machen'' wollen die Bauern von Neckarwestheim gegen den Bau eines Zwischenlagers für das Atomkraftwerk. Aber bei der Landesregierung holten sie sich bereits einen Korb. HANS GEORG FRANK NECKARWESTHEIM· Gottfried Kazenwandel ist stinksauer: ¸¸Mir würde kein Stall genehmigt, wenn ich für die Gülle nur ein Zwischenlager anbieten würde.'' Der Jungbauer und Winzer aus Neckarwestheim ärgert sich, zusammen mit rund 60 Kollegen, über das geplante Provisorium im örtlichen Atomkraftwerk. Ausgemusterte Brennstäbe sollen dort, wie berichtet, in zwei Tunnelröhren etwa 35 Jahre lang deponiert werde, ehe sie angeblich in ein bis dahin vielleicht errichtetes Endlager ¸¸umgebettet'' werden können. ¸¸Wir befürchten zusätzliche Risiken'', betont Arnold Rominger, Gemeinderat und Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins. Er hat Angst vor einer radioaktiven Panne und vor unberechenbarer Strahlenbelastung. Er und seine Mitstreiter im Kampf gegen das Atomdepot monieren die Wahl des Standortes. Wenn der seit Jahren erkundete Salzstock in Gorleben in 800 Metern Tiefe nicht sicher sei, wie Kritiker befürchten, ¸¸dann kann bei uns ein ebenerdiges Lager erst recht nicht sicher sein''. Leere Versprechungen Die Landwirte sind wütend auf Politiker, die ihnen die Zustimmung zum Bau der beiden Blöcke des Kernkraftwerks einst abtrotzten mit der Zusage, daß in ihrer Gemeinde keine Atommüllkippen entstünden. Jetzt jedoch sei dieses Versprechen vergessen. Die Aufmüpfigen wollen nicht glauben, dass der einmal eingelagerte Nuklearabfall jemals wieder weggeschafft wird: ¸¸Es ist nur schwer vorstellbar, daß sich zukünftige politische Generationen die Finger an diesem Altlastthema schmutzig machen werden.'' Das ¸¸Zwischenlager'' sei dann für die Ewigkeit bestimmt. Bei ihrem Protest stecken die Agrarier freilich in einer Zwickmühle. Wenn sie auf eventuelle Beeinträchtigungen bei der Vermarktung ihrer Produkte durch ein frühestens in fünf Jahren fertiges Zwischenlager hinweisen, müssen sie schon jetzt um den rentablen Absatz ihrer Früchte, ihres Korns, ihres Weins bangen. Deshalb halten sie sich mit entsprechenden Äußerungen derzeit (noch) zurück. Zu solchem Verhalten hat ihnen auch Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) geraten. Mit derart artikulierten Befürchtungen würden sie ¸¸zu Unrecht vorhandene Vorbehalte gegen den Neckarwestheimer Wein nur verstärken''. Allerdings räumte Döring auch ein: ¸¸Psychologische Vorbehalte, welche die Vermarktung des Weins erschwerten, sind bei einem Teil der potenziellen Käufer nicht auszuschließen, und sie müssen deshalb ernst genommen werden.'' Daher der Rat des Ministers: ¸¸Ein vernünftiges Marketing'' werde die Ängste ¸¸zumindest mildern können''. Abfuhr von Döring In seinem Brief an die Bauern lässt Döring keinen Zweifel aufkommen, daß er das Landvolk nicht unterstützen wird. Das Zwischenlager werde von der Landesregierung akzeptiert, ¸¸wenn dies von der Bundesregierung für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke gefordert wird''. Eine Demo mit Traktoren haben die Landwirte (noch) nicht geplant. Aber sie denken an eine Protestfahrt nach Berlin zum Bundesumweltministerium. Auch verbünden sie sich bereits mit Anti-Atom-Bürgerinitiativen. Noch vor kurzem wärer eine solche
Zusammenarbeit mit Kernkraftgegnern undenkbar gewesen. Sogar für den
Atomausstieg plädieren die Bauern, verlangen sie doch, daß ¸¸auf
diese Art der Energieerzeugung ganz und sofort verzichtet werden muß'',
falls kein Abtransport der Castoren mehr stattfinde. Bürgermeister
Mario Dürr will alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen.
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