Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
Jetzt machen auch die Landwirte mobil gegen Zwischenlager-Pläne des GKN 
    Ludwigsburger Kreiszeitung, 07.08.99

    Jetzt machen auch die Landwirte mobil gegen Zwischenlager-Pläne des GKN 
    Bauern fühlen sich hintergangen und signalisieren Kampfbereitschaft -
    Nächste Woche erreicht ein Transportbehälter das Kraftwerk

    Neckarwestheim - (bor) "Wenn es sein muss, gehen wir nach Berlin": 
    Unter den Landwirten formiert sich der Widerstand gegen das 
    Zwlschenlager für ausgediente Brennelemente auf dem Gelände des GKN. Das
    Kraftwerk bestätigte unterdessen, dass ein leerer Transportbehälter
    erwartet wird.

    Die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Neckarwestheims 
    sind empört. Sie wollen die Zwischenlager-Pläne nicht akzeptieren. 
    Das neue Konzept der Bundesregierung, anstelle des Transports von 
    Castorbehältern dezentrale Zwischenlager einzurichten, "verstößt 
    gegen den einvernehmlich von Politik, Kraftwerksbetreibern und 
    Gesellschaft getroffenen Konsens der Lastenteilung", sagte der 
    Ortsvereinsvorsitzende Arnold Rominger gestern bei einer 
    Pressekonferenz. Schließlich hätten Landwirte, Kommunen und Bürger 
    dem Bau von GKN 1 und GKN II nur mit Blick auf diese Vereinbarung 
    zugestimmt. Außerdem bestehe die Gefahr, dass aus einem Zwischen- ein
    Endlager werden könne. Der Ortsverein fordert die Gemeinde Neckarwestheim
    auf, alle Rechtsmittel auszuschöpfen. Bürgermeister Mario Dürr wies darauf
    hin, dass die Gemeinde zusammen mit Gemmrigheim und dem Verwaltungsverband
    Besigheim bereits einen Anwalt mit der Überprüfung der rechtlichen
    Möglichkeiten beauftragt habe. Die Landwirte appellieren auch an die
    Landesregierung, die Zwischenlager-Pläne zu stoppen. Der
    Kreisbauernverband Heilbronn hat bereits Gespräche mit dem Staatssekretär
    im Ministerium für Umwelt und Verkehr, Stefan Mappus, geführt. Allerdings
    ohne Erfolg, wie der Geschäftsführer des Verbandes, Jörg Sauter,
    einräumte. Der Ortsverein betont, dass die ablehnende Haltung der
    Bevölkerung gegen das Zwischenlager ernst zu nehmen sei. Im Zweifelsfall
    müsse eben auf diese Art der Energieerzeugung "ganz und sofort verzichtet
    werden." Dass der 33-köpfige Ortsverein die GKN-Pläne nicht im Alleingang
    stoppen kann, ist dessen Mitgliedem bewusst. Sie hoffen aber, dass ihr
    Widerstand Kreise zieht. Zunächst wollen die Landwirte in "sachlichen
    Gesprächen" für ihre Position werben. Doch sie lassen auch
    Kamptbereitschaft erkennen. Wie ihr Protest aussehen könnte, etwa in Form
    von Demonstrationen oder Blockaden, ließen die Landwirte gestern offen.
    Bürgermeister Mario Dürr machte klar, wann seine Unterstützung für die
    Bauern endet: wenn der Protest die rechtlich zulässigen Pfade verlässt.

    Nach Meinung des Aktionsbündnisses Castor-Widerstand Neckarwestheim
    erreicht ein Excellox-Transportbehälter am kommenden Mittwoch das GKN.
    Diese Anlieferung und die angeblich geplante Beladung sei ein wesentlicher
    Bestandteil für noch ausstehende Gutachten des Bundesumweltministeriums
    zur Aufhebung des Transportstopps. Davon wollte GKN-Pressesprecher Uwe H.
    Mundt nichts wissen. Der Behälter treffe "irgendwann" nächste Woche ein
    und werde erst dann beladen, wenn wieder Castor-Transporte genehmigt
    seien. Das GKN habe Anträge für zehn Behälter eingereicht. Wann mit einer
    Entscheidung zu rechnen sei, könne er nicht sagen. 
    Das Aktionsbündnis will trotzdem mit Gleichgesinnten die Anlieferung des 
    Behälters am Dienstag, 10. August, von 17 Uhr an auf der Neckarbrücke 
    in Kirchheim und am Mittwoch "aktiv begleiten".


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