Frankfurter Rundschau, 19.6.99
Riesiges Zwischenlager geplant
Im AKW Neckarwestheim sollen 160 Castoren Platz finden
NECKARWESTHEIM, 18. Juni (dpa). Das Gemeinschaftskernkraftwerk
Neckar (GKN) im baden-württembergischen Neckarwestheim will auf
dem Kraftwerksgelände ein Zwischenlager für 160 Atommüllbehälter
bauen. Ein GKN-Sprecher bestätigte am Freitag entsprechende
Zeitungsberichte. Die Kosten für das Zwischenlager wurden auf
rund 65
Millionen Mark geschätzt. Es soll im Jahr 2005 fertig sein.
Den Angaben des GKN-Sprechers entsprechend soll das Lager in den
Muschelkalk unter den Parkplätzen vor dem Verwaltungsgebäude
des
Kraftwerks getrieben werden. Mit den geplanten zwei Stollen entstehe
aber keine Endlager, ließ die AKW-Leitung versichern. Nach der
Stillegung des Atomkraftwerks müßten die Castor-Behälter
in ein
Endlager transportiert werden.
Zugleich betonten der GKN-Sprecher, bis das Zwischenlager beim
Kraftwerk in Betrieb genommen werden könne, seien Transporte zur
Wiederaufarbeitung und in die Zwischenlager Ahaus sowie Gorleben
unerläßlich. Das GKN dringt darauf, daß noch in diesem
Jahr zehn
Behälter zur Wiederaufarbeitung in britische Sellafield gebracht
werden.
Das GKN muß spätestens vom kommenden Jahr an Atommüll
zur
Wiederaufarbeitung oder in Zwischenlager bringen, da dann die
bestehenden Lagerkapazitäten bei den Kraftwerken belegt sind.
Derzeit dürfen weder Castoren noch andere Atommüllbehälter
transportiert werden. Das Bonner Umweltministerium hatte die
Transporte gestoppt, nachdem im Frühsommer vergangenen Jahres
bekannt
geworden war, daß Behälter zum Teil erheblich überhöhte
Strahlenwerte
aufwiesen. Wissenschaftler hatten auf eine akute Gefährdnung der
begleitenden Polizisten verwiesen. Die Betreiber der Atomkraftwerke
arbeiten seither an einer neuen Technik, damit solche überhöhte
Werte
nicht wieder vorkommen.
© Frankfurter Rundschau 1999