Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
Sind Hohlräume Gefahr für GKN?
    Heilbronner Stimme, 10.06.99

    Grünen-Anfrage im Landtag zum Atomkraftwerk

    Sind Hohlräume Gefahr für GKN?


    Von Joachim Kinzinger

    Die Diskussion um die Standsicherheit der beiden Atomkraft-werke in
    Neckarwestheim ist wieder aufgeflammt. Die Landtagsfraktion der Grünen
    fordert die Regierung auf, neue Informationen und Gutachten über die
    Risiken im Untergrund vorzulegen. Seit zehn Jahren warnt der Stutt-garter
    Geologe Hermann Behmel vor dem brüchigem Gestein und den Störzonen, auf
    dem die beiden Atommeiler stehen. Bei der Exkursion mit Walter Witzel,
    energiepolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, und der SPD-
    Parlamentanerin Christine Rudolf zeigte Behmel geologische Orte, die eine
    Analogie zum GKN-Untergrund aufweisen. An der Neckarschleuse in
    Hessigheim, sechs Kilometer südlich von GKN, sind die Bauschäden wegen
    der ,,schwarzen Löcher" unter der Erde offensichtlich. Ein breiter
    dia-gonaler Riß klafft in der Schleusenmauer. Auf der Kaimauer senkt sich
    teilweise die Asphaltdecke. Die Spundwand ist schief, an einer Nahtstelle
    beult sich das Metall. Für Behmel ein eindeutiges Indiz: ,,Der Untergrund
    gibt nach." Auch die Einbruchdolinen in ei-nem Pleidelsheimer Steinbruch
    und die Eisinger Löcher bei Pforzheim seien gravierende Setzungen, die
    auch zwischen dem Reaktorgebäu-de und dem Maschinenhaus befürchtet werden
    müßten, so der aka-demische Direktor am Institut für Geologie der Uni
    Stuttgart. Seine Sorge: Bei GKN könnten jederzeit Hohlräüme ruckartig
    einstürzen. Wegen Auswaschungen im Gestein und Hohlraumbildungen ist ja
    der Kühlturm von GKN II vor einigen Jahren bis zu 15 Zentimeter
    ab-gesackt. Dort treffen drei ungünstige Faktoren zusammen: eine
    gra-benartige Verbruchzone im
     Deckgebirge, ein starker Grundwasserstrom, Gipsgestein wird ausgelaugt.
     Das geologische Landesamt schätzt, daß sich jährlich Hohlräume von 1000
     Kubikmeter wegen den Aus-waschungen bilden.
    Bisher haben die GKN-Betreiber über 20 Millionen Mark investiert, um die
    Störzone unter dem Kühlturm in den Griff zu bekommen. Gebäude wurden
    abgedichtet, Arbeiter pumpten tonnenweise Be-toninjektionen in den
    Untergrund.
     Gezielt wurden Fundamente angehoben, tragende Teile des Bauwerks 
    vorgespannt. ,,Der Turm ist eingestellt," versichert der Technische
    GKN-Geschäftsführer Werner Zaiss immer wieder. Der Gutachter der
    Landesregierung, Professor Ulrich Smoltczyk bewertet den Turmbereich als
    ,,begrenzten Sonderfall". 1995 gab er in seinem Gutachten für GKN
    Entwarnung: ,,Die geologische Problemzone stellt keine Gefahr für die
    Sicherheit des Reaktors dar." Den Grünen reicht diese Expertise nicht
    aus. ,,Welche Daten hat die Landesregierung seit 1995 gesam- melt?", fragt
    Witzel. Welche neuen Informationen, Berichte und Gutachten anderer
    Stellen liegen seit-her vor?, heißt es in ihrer Anfrage. Für die
    SPD-Abgeordnete Rudolf erhält das Thema weitere Brisanz, weil die
    Betreiber ein Atommüll-Zwischenlager beantragt haben: ,,Bevor man an neue
    Bauwerke denkt, muß man akzeptieren, auf welchem Untergrund man sich
    bewegt." Im Stuttgarter Umweitministenum verweist Pressesprecherin
    Michaela Preuß auf das Gespräch mit Betreibern, Gutachtern und
    Geolo-gischem Landesamt vor einigen Ta-gen. Alle Spezialisten seien zum
    Schluß gelangt: keinerlei Risikosituation. Auch die jährlichen Berichte
    hätten keine veränderten Entwicklungen unter der Erde ergeben.
     


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