Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
Jetzt werden die Zwischenlager geplant
    Stuttgarter Zeitung, 20.Mai 1999   

      Jetzt werden die Zwischenlager geplant

       Alle drei Kernkraftwerke im Land bereiten die
       Einrichtung hochradioaktiver Lagerstätten vor

       HEILBRONN. Obrigheim hat schon ein fast fertiges Lager für
       hochradioaktive Brennstäbe. Auch die beiden anderen
       südwestdeutschen Kernkraftwerke in Neckarwestheim und
       Philippsburg bereiten jetzt solche Bauten vor.

       Von Wieland Schmid

       Schon im Herbst will das Kernkraftwerk Neckarwestheim
       (GKN) beim Bundesamt für Strahlenschutz und beim
       Heilbronner Landratsamt die Genehmigung für den Bau eines
       Zwischenlagers für hochradioaktive Abfälle beantragen. Dieser
       Tage hat der technische GKN-Geschäftsführer Werner Zaiss
       dem Gemmrigheimer Gemeinderat erste Entwürfe für das
       Projekt vorgelegt. Zur Auswahl stehen zwei Möglichkeiten: ein
       Naßlager für rund 100 Millionen Mark oder ein Trockenlager
       für Castor-Behälter, das etwa zwanzig Millionen Mark kosten
       soll.

       Führende Mitarbeiter des GKN haben in jüngster
       Vergangenheit beharrlich abgestritten, daß man sich im
       Kraftwerk mit Planungen für ein Zwischenlager beschäftige.
       Offiziell wurden lediglich die Pläne für einen rund 250
       Quadratmeter großen oberirdischen Castor-¸¸Parkplatz''
       vorangetrieben, die zunächst von den Gemeinderäten
       Neckarwestheims und Gemmrigheims abgelehnt wurden. Jetzt
       haben die Gemmrigheimer Kommunalpolitiker ihre Meinung
       geändert und dem Vorhaben in ihrer jüngsten Sitzung
       zugestimmt. Die Ablehnung ihrer Neckarwestheimer Kollegen
       spielt keine Rolle, weil der ¸¸Parkplatz'' nicht auf ihrer Markung
       liegt.

       Die Standortgemeinden werden auch den beabsichtigten Bau
       eines unterirdischen Lagers nicht verhindern können, wenn die
       Bundesregierung wie bisher an einem langfristigen Verbot von
       Brennelement-Transporten festhält. In Neckarwestheim soll
       der hochradioaktive Abfall künftig 15 Meter unter dem
       Parkplatz vor dem Verwaltungsgebäude deponiert werden.
       Der Atommüll könnte hier angeblich ohne zusätzliche
       Strahlenbelastung für die Umgebung ein halbes Jahrhundert
       aufbewahrt werden, bevor er in ein bis jetzt nicht vorhandenes
       Endlager geschafft werden müßte.

       Neckarwestheim ist damit das zweite baden-württembergische
       Kernkraftwerk, das sich konkret auf ein Zwischenlager
       vorbereitet. Beim ältesten Atommeiler Deutschlands in
       Obrigheim wird schon am Umbau des sogenannten
       Notstandsgebäudes direkt neben dem Reaktor gearbeitet. Im
       Oktober vorigen Jahres hat das Stuttgarter
       Wirtschaftsministerium die unbefristete Genehmigung für dieses
       erste Zwischenlager eines deutschen Kernkraftwerks erteilt. Im
       Herbst sollen die ersten Brennstäbe eingelagert werden.
       Allerdings haben inzwischen sowohl die Stadt Heidelberg als
       auch die Klägergemeinschaft ¸¸AKW Obrigheim abschalten''
       dagegen Klagen eingereicht.

       Wie aus dem Kernkraftwerk Philippsburg verlautet, werden
       derzeit die Möglichkeiten für ein Zwischenlager auf dem
       Betriebsgelände ¸¸sondiert''. Detaillierte Pläne gebe es
       allerdings vorerst nicht, weil man noch ¸¸auf konkrete Vorgaben
       aus den Konsensgesprächen'' mit der Regierung warte.

     © 1999 Stuttgarter Zeitung, Germany 


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