| Ludwigsburger Kreiszeitung, 23.07.98
Die Einfahrt zum GKN blockiert
Angeblich Rangeleien - Panne bei Dosimeter-Auswertung
Neckarwesthelm - (pet) Rund 30 Atomkraftgegner haben gestern morgen
vorübergehend die Zufahrt zum Gemeinschaftskernkraftwerk Neckarwestheim
(GKN) blockiert. Nach etwa einer Stunde folgten sie der Aufforderung der
Polizei und beendeten ihre Aktion.
Nach Polizeiangaben haben sich die Demonstranten gegen 6.45 Uhr zunächst
vor Tor 1 des GKN, kurze Zeit später auch vor Tor 2 postiert, zudem
die Kreis-straße 1624 besetzt, so daß es kurzzeitig zu Verkehrsbehinde-rungen
und Rückstaus gekommen ist. Gegen 7.40 Uhr seien Zufahrten und Kreisstraße
wieder frei, etwa 30 Beamte im Einsatz gewesen.
Nach Angaben des Bündnisses Castor-Widerstand Neckarwestheim stand
die Aktion unter dem Motto ,Frühstücken für den Ausstieg
statt Schichtwechsel", an der sich 40 Personen vor der Einfahrt zum Werksparkplatz
beteiligt hätten. Als Grund der Blockade nannte das Bündnis den
,,Skandal" um die verstrahlten Transportbehälter, wovon auch
das GKN betroffen sei. Hunderte von Kraftwerksmitarbeitern hätte man
daran gehindert, die Arbeit aufzunehmen, zudem sei der geregelte Betrieb
des GKN gestört worden
Nach Angaben des Bündnisses seien während der Aktion einige
Autofahrer aggressiv geworden, hätte es ansatzweise tätliche
Übergriffe gegeben. Die Polizei widersprach indes dieser Darstellung,
berichtete von einer friedlichen Demonstration.
Bei der Diskussion um den Schutz der Polizeibeamten beim Transport
abgebrannter Brennelemente aus baden-württembergischen Atomkraftwerken
ist offenbar eine Panne passiert. Wie der SPD-Landtagsabgeordnete
Ulrich Brinkmann mitteilte, hätten die beim letzten Castor-Einsatz
im März eingesetzten Beamten jetzt eine persönliche Mitteilung
über die Auswertung der von ihnen getragenen Dosimeter erhalten. Peinlich
sei nur; daß auch Beamte ohne Gerät Dosimeterdaten mitgeteilt
bekommen hätten. In einer parlamentarischen Initiative fordert die
SPD jetzt eine lückenlose Aufklärung.
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