| Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim |
Bietigheimer Zeitung, 15.11.97
KERNENERGIE / Fabrikneue Castorbehälter in Neckarwestheim eingetroffenDas nächste Ziel heißt AhausStarke Kräfte von Polizei und Bundesgrenzschutz sicherten den TransportNECKARWESTHEIM (tI). Von starken Polizeikräften gesichert erreichtenam Donnerstag drei fabrikneue Castorbehälter für hochradioaktiven Müll das Gemeinschaftskernkraftwerk (GKN) in Neckarwestheim. Mit ihnen sollen abgebrannte Brennelemente in das nordrheinwestfälische Ahaus transportiert werden. Die erforderlichen Genehmigungen stehen zum Teil noch aus. Die exakte Zahl der Polizeibeamten wollte man bei der Pressestelle der Polizei nicht nennen, es seien aber ,,stark 100 Leute" gewesen, die hauptsächlich von der Polizeidirektion Ludwigsburg, aber auch aus Heilbronn eingesetzt wurden. Zusätzlich wurde der Bahntransport, der von Kornwestheim kommend gegen 10.00 Uhr in Walheim eintraf, von einem 28köpfigen Begleitkommando des Bundesgrenzschutzes bewacht. Wann der nächste Castortransport durch die Republik rollt, steht noch nicht fest, es wird vermutet, daß er im Frühjahr 1998 auf die Strecke geht. Sicher scheint jetzt aber, daß er in Neckarwestheim startet. Es ist der erste, der nicht nach Gorleben, sondern in das Zwischenlager für radioaktiven Müll in das nordrheinwestfälische Ahaus geht. Der Pressesprecher des GKN, Uwe Mundt, bestätigte, daß das Zwischenlager Ahaus vom Bundesamt für Strahlenschutz inzwischen die Genehmigung zur Einlagerung von hochradioaktivem Müll in Castorbehältern erhalten hat. Jetzt fehlt noch die Genehmigung der nordrheinwestfälischen Landesregierung zur Einlagerung des Atommülls in Ahaus. Wann die Umweitministerin des Landes NordrheinWestfalen, Bärbel Höhn, diese erteilt, ,,ist eine politische Frage", meint man beim GKN. Der Castortransport wird als Gemeinschaftstransport verschiedener Atomkraftwerke auf die Strecke gehen. Die genaue Abstimmung ist bisher noch nicht erfolgt. Es ist denkbar, so Uwe Mundt, daß Brennelemente aus den Kernkraftwerken im bayrischen Gundremmingen und im hessischen Biblis mittransportiert werden. Der Transport wird als Sammeltransport durchgeführt, um die Kosten zu reduzieren, sagte der Pressesprecher des GKN, Uwe Mundt. Der letzte CastorTransport nach Gorleben hatte Kosten in Höhe von 80 bis 100 Millionen Mark verursacht. Starke Proteste hatten umfangreiche und kostenträchtige Sicherungsmaßnahmen nötig gemacht. 30 000 Beamte hatten den Transport geschützt. Um die Abfallmenge zu reduzieren werden im GKN Brennstäbe mit einem höheren Anteil an spaltbarem Material eingesetzt. Die Brennstäbe im Block II des Kraftwerkes enthalten vier Prozent spaltbares Uran. Die Verwendung von Brennstäben mit einem höheren Anteil an spaltbarem Material verringert die Abfallmenge, bedingt allerdings auch, daß die abgebrannten Brennelemente länger im Abklingbecken abgekühlt werden müssen' da mehr atomare Spaltprodukte anfallen. Die Gastoren, die jetzt nach Neckarwestheim transportiert wurden, sind in Mülheim an der Ruhr von der Gesellschaft für Nuklearbehälter mbR (GNB) hergestellt worden. Die GNB ist eine Tochtergesellschaft der Gesellschaft für NuklearService mbH, hinter der die deutschen Energieversorger stehen. Der Preis für einen Castorbehälter liegt bei 2 bis 2,5 Millionen Mark. Rund 20 bis 30 Millionen Mark hat die Entwicklung der Gastoren verschlungen. Die Behälter sind nur für die abgebrannten Brennelemente aus dem Block II des Kernkraftwerkes geeignet. Wie Uwe Mund auf Anfrage mitteilte, sind für den älteren, ersten Block des Kraftwerks kleinere Castorbehältnisse erforderlich. Solche würden zur Zeit entwickelt. |
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