Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 

3 Milliarden Euro für ein neues Atomkraftwerk?


Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim
Wilhelmstr. 45/1, 71638 Ludwigsburg


PRESSEERKLÄRUNG
22.10.2004

 

Keine neue Atomkraftwerke!

3 Milliarden Euro für ein neues Atomkraftwerk?


Vor wenigen Jahren noch unvorstellbar, nun offiziell verkündet: der geplante Neubau eines Atomkraftwerkes in Flamanville in der Normandie. Dies hat der staatliche französische Energiekonzern EdF jetzt für das Jahr 2007 angekündigt. Seit Jahren wird von Siemens und Framatome gezielt das Märchen vom angeblich sicheren EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) vorbereitet. Die Konzernleitung mitsamt der französischen Regierung hoffen nun, dieses Projekt in der strukturschwachen Region mit dem Lockmittel Arbeitsplätze ohne politischen Widerstand durchsetzen zu können.

Das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim nimmt diesen EPR-Baubeschluss zum Anlass, die Hauptkritikpunkte der Anti-AKW-Bewegung an dieser sogenannten neuen Reaktorgeneration darzustellen. Dies auch deshalb, da die EdF ja bereits im letzten Jahr angekündigt hatte, dass auch die deutschen Energiekonzerne sich an den Baukosten für einen Reaktor in Frankreich beteiligen sollen. Die EdF ist Hauptaktionär an der Energie-Baden-Württemberg (EnBW)!
Wir lehnen diesen angeblich "sicheren" neuen Reaktor an jedem Standort ab, denn Atomkraft ist und bleibt die gefährlichste und teuerste Form der Stromerzeugung. Auch mit dem EPR.

  • wie alle vorherigen Atomkraftwerke produziert er strahlenden Atommüll, der noch für Jahrtausende sicher gelagert werden muss
  • im EPR entsteht in einem Jahr für jedes Megawatt elektrischer Leistung die Radioaktivität von einer Hiroshima Atombombe
  • der Euroreaktor EPR ist mit 1600 MW groß statt sicher. Nach den derzeitigen Planungen kostet ein Reaktor mindestens 3 Milliarden Euro. Um die Stromkosten nicht völlig ausufern zu lassen, wurde nach Ansicht der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges von Siemens und Areva "mehr auf supergroß als auf supersicher" gesetzt
  • der EPR verfügt nicht über genügend passive Sicherheitssysteme, sondern setzt immer noch auf störanfällige Armaturen und Pumpen mit Motorantrieb, die bei einem Ausfall der Stromversorgung versagen
  • auch für den EPR werden Menschen in Uranbergwerken und durch radioaktive Emissionen in der Umgebung der sogenannen Wiederaufbereitungsanlagen radioaktiv verseucht und an diesen Folgen sterben
  • wie jedes andere Atomkraftwerk gibt auch der EPR im sogenannten Normalbetrieb radioaktive Stoffe an die Umwelt ab. Krebs- und Leukämieerkrankungen treten nachweislich in der Umgebung von Atomanlagen signifikant erhöht auf
  • auch in diesem Euroreaktor ist eine Kernschmelze mit einem Austreten von tödlicher radioaktiver Strahlung möglich

Die Atomindustrie versucht zum ersten mal seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl den Ausbau der Atomkraft durchzusetzen. Dies obwohl es für den bereits produzierten hochradioaktiven Müll in keinem Land der Erde ein Endlager gibt und angesichts der für tausende von Jahren strahlenden Hinterlassenschaft der Atomindustrie auch nie ein sicheres geben kann.

Politisch brisant ist für uns diese Ankündigung eines EPR Neubaus in Frankreich ausgerechnet zwei Wochen vor dem geplanten Rücktransport von 12 CASTOREN aus der französischen "Wiederaufbereitungsanlage" La Hague nach Gorleben. Dieser jährliche CASTOR - Rücktransport offenbart das ganze Dilemma der ungelösten Frage: Atommüll wohin? Gleichzeitig ist er für deutsche und französische Atomkraftgegner/innen die Gelegenheit, gemeinsam gegen die weitere Nutzung von Atomkraft vorzugehen. Gerade jetzt rufen wir alle zu einer Beteiligung an den diesjährigen Protesten auf. Die einzige Lösung der weiteren Vergrößerung des Atommüllproblems ist die sofortige Abschaltung aller AKWs!

 




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