|
Südwestdeutsche
Anti-Atom-Initiativen
c/o Demokratisches Zentrum, Wilhelmstr. 45/1,71638 Ludwigsburg
Infotelefon: 0175/ 711 28 94
PRESSEERKLÄRUNG
Stand 12.00 Uhr
02. August 2001
Vielfältiger Widerstand begleitet den Atommülltransport
in Frankreich
Castor-Transport
zur französischen und britischen Wiederaufarbeitung verlief
durchaus auch in Deutschland nicht reibungslos
In
Frankreich führt der massive Widerstand gegen die beiden Atomtransporte
derzeit zu erheblichen Verspätungen. Entgegen den Berichten
der Tagespresse gab es auch in Deutschland vielfältige Protestaktionen
entlang der gesamten Transportstrecken. Insgesamt waren in der Bundesrepublik
und in Frankreich über tausend Atomkraft-gegnerInnen an den
unterschiedlichsten Aktionen gegen den größten Atommülltransport
in der Geschichte der BRD beteiligt. Der Castor-Zug mußte
in Deutschland zweimal kurzfristig seine geplante Route ändern.
Kurz nach der deutsch-französischen Grenze hatten sich zwei
Personen an die Schienen gekettet, dadurch wurde der Zug für
über 30 Minuten gestoppt.
Bereits kurz
nach dem Start des ersten Konvois von drei Atommüllbehältern
aus dem Atomkraftwerk Brunsbüttel (bei Hamburg) brachten Anti-Atom-Aktivisten
durch Gleisblockaden den Zug vier Mal zum Stehen. Dadurch verspätete
sich der Zug schon im Hamburger Stadtgebiet über eine Stunde.
Mehrere hundert AtomkraftgegnerInnen hatten sich in Uelzen zu einer
Schienenblockade versammelt, was zu einer kurzfristigen Änderung
der geplanten Route nun über Bremen und Osnabrück führte.
Eine zweite Streckenänderung in letzter Minute erzwang in Hessen
eine Gruppe von 25 "Castor-Joggern", die bei Groß-Gerau
(südlich von Frankfurt) auf den Schienen gelaufen sind. Hier
wurde der Atomzug über Worms umgeleitet.
Nicht nur an den Abfahrtsorten der fünf Teilzüge Brunsbüttel,
Stade, Mülheim-Kärlich, Philippsburg und Walheim (Württemberg)
hatten sich Menschen zum Protest versammelt. Bereits am Montag und
Dienstag wurde in Neckarwestheim der Straßentransport der
drei für die britische Plutoniumschleuder Sellafield bestimmten
Excellox-6-Behälter von Widerstand begleitet. In zahlreichen
Städten und Orten entlang der Strecken quer durch Deutschland
fanden die unterschiedlichsten Aktionen statt, z.B. in Münster,
Bonn-Beuel, Karlsruhe, Wörth und Hagenbach. Die AtomkraftgegnerInnen
hielten Mahnwachen ab, verteilten Flugblätter an Infoständen
sowie Jodtabletten oder hatten sich weiße Strahlenschutzanzüge
angezogen, um auf die Gefährlichkeit von Atomzügen aufmerksam
zu machen.
Widerstand in
Frankreich gegen den längsten Atommüllzug
Nachdem die drei Teilzüge in Wörth zu einem 12-er Zug
zusammengestellt worden waren, erzwangen Atomkraftgegner schon kurz
nach dem Grenzübertritt in Bischheim (bei Straßburg)
einen halbstündigen Stopp des bislang längsten Atomzuges.
In einer solidarischen Aktion gegen die Atomenergie hatten sich
ein Franzose und ein Deutscher mit Hilfe eines Rohres an die Gleise
gekettet. Als der Zug dann weiterfahren konnte, provozierten zwei
deutsche Atomkraftgegner eine Notbremsung, als sie unvermutet direkt
vor dem Zug auf die Schienen sprangen.
In Frankreich zeigt der massive Widerstand der französischen
Bevölkerung, daß sie nicht länger bereit ist, die
Anlieferung und die Durchfahrt von deutschem Atommüll hinzunehmen.
In zahlreichen Orten entlang der Strecke hatten sich auch in der
Nacht französische
AtomkraftgegnerInnen versammelt um zu protestieren. In Longueau
(bei Amiens) wurde der Atomtransport wieder in zwei Teilzüge
getrennt: neun Behälter fahren nach La Hague, drei in die Hafenstadt
Dünkirchen, von wo aus sie mit dem Schiff nach Sellafield gebracht
werden. In der Nähe von Lille stoppten Atomkraftgegner einen
vorausfahrenden Güterzug und dadurch den für England bestimmten
Teilzug. In Bethune haben die drei englischen Behälter derzeit
eine Verspätung von 3 Stunden 45 Minuten. Der Teilzug auf dem
Weg nach La Hague ist durch Aktionen seit Rouen fast 2 Stunden verspätet.
Die bundesweite
und die französische Anti-Atom-Bewegung haben mit der Vielzahl
an Aktionen gegen den längsten Atommülltransport in der
Geschichte der BRD ein weiteres Mal bewirkt, daß dieser Transport
nicht ungestört gerollt ist. Obwohl Polizeieinsatzleitungen
ihre Einsätze als Erfolg verkaufen, dürfte nach den oben
beschriebenen Aktionen klar sein, daß die Atomkraftwerksbetreiber
keineswegs zum Normalzustand "Castortransporte ohne Polizeibegleitung"
zurückkehren können.
Wir bedanken uns für die Veröffentlichung dieser Presseerklärung.
|