Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
Atommüll - wohin?
     
    Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim
    c/o Demokratisches Zentrum, Wilhelmstr. 45/1, 71638 Ludwigsburg
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    PRESSEERKLÄRUNG      25.01.2000
     

    Atommüll - wohin?

    Derzeit (noch) kein CASTOR-Transport von Neckarwestheim nach Ahaus. Fast zeitgleiche Genehmigung von drei Atommüll-Transporten in die Wiederaufarbeitungsanlage nach Sella-field in England. Ein „Interimslager“ mit 24 CASTOREN und ein „Zwischenlager“ mit 150 CASTOREN sollen den Weiterbetrieb der Neckarwestheimer Atomreaktoren garantieren. 
    Das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim ruft auch gegen die geplanten Transporte in die Wiederaufbereitungsanlagen und das „Zwischenlager“ zu massivem Widerstand auf. Den Startschuss dazu bildet der Sonntagsspaziergang am 4. Februar um 14 Uhr am Bahnhof in Kirchheim/N.

    Die Anweisung des grünen Ministers Trittin, den Transport der sechs CASTOREN von Neckar-westheim nach Ahaus derzeit nicht mit einem massiven Polizeieinsatz durchzusetzen und gleich-zeitig das hochradioaktive Inventar am Standort entgegen dem Stand der atomrechtlichen Ge-nehmigungen zu erhöhen, soll ausschließlich den Weiterbetrieb der beiden Reaktoren trotz über-laufender Abklingbecken und anstehender Brennelementewechsel im April und Mai ermöglichen. Aus dem Abstellen der sechs mit ihrer strahlenden Fracht beladenen CASTOREN zum Transport wird plötzlich vorübergehend ein „Interimslager“.

    Fast zeitgleich mit dem Verschieben des CASTOR-Transportes nach Ahaus wurden letzte Woche drei Transporte von Neckarwestheim in die Wiederaufbereitungsanlage nach Sellafield genehmigt. Für das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim ist die Genehmigung dieser Trans-porte nach Sellafield ein rot/grüner Skandal ersten Ranges. Im vergangenen Jahr hat diese Wie-deraufbereitungsanlage die Skandalserie der letzten Jahrzehnte und ihren zu Recht bestehenden Ruf als „Plutoniumschleuder“ noch übertroffen. Es ist erwiesen, dass dort seit langem auf Anwei-sung der Geschäftsführung Sicherheitsprotokolle für Brennelemente gefälscht wurden. Diese mit einem höheren, als vorgeschriebenen Urangehalt angereicherten Brennelemente, gingen auch an Atomkraftwerke in der Bundesrepublik. Nachdem infolge dieses Skandals unter anderem Japan alle Verträge mit Sellafield gekündigt hatte, war der gesamte Weiterbetrieb in Frage gestellt. An-statt die Skandalfabrik zu schließen, wechselte die britische Regierung jedoch nur die Geschäfts-führung aus. Auch das GKN hat trotz der gravierenden Sicherheitsmängel von Sellafield seine be-stehenden Verträge nicht gekündigt und will nun als erstes Atomkraftwerk der Bundesrepublik - seit dem Strahlenskandal vor drei Jahren - Atommülltransporte nach England durchführen. Damit soll die über zwanzigjährige Praxis des GKN, Atommüll in Wiederaufarbeitungsanlagen zu ver-schieben, fortgesetzt werden. Nach La Hague in Frankreich wurden bereits 147 Atommülltrans-porte durchgeführt. Das in den nächsten Jahren aus Frankreich zum Rücktransport vorgesehene hochradioaktive Material des GKN belegt alle gekauften CASTOR-Stellplätze im „Zwischenlager“ in Gorleben. Das Aktionsbündnis und die bundesweite Anti-AKW-Bewegung rufen in Zusammen-arbeit mit französischen Atomkraftgegnern zur Blockade des für Ende März geplanten CASTOR-Transports von La Hague/Frankreich nach Gorleben auf. 

    Der von der Bundesregierung mit den Atomkraftwerksbetreibern vereinbarte „Atomausstieg“ mit einem garantierten jahrzehntelangen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke und einer nochmaligen Verdoppelung der bisherigen hochradioaktiven Atommüllmenge wird wie eine Seifenblase platzen. Die ungeklärte Endlagerfrage für die noch zehntausende von Jahren strahlende atomare Hinter-lassenschaft soll durch sogenannte „Standort-Zwischenlager“ vertuscht werden. Das bisherige „Entsorgungskonzept“ in Form der Atommüllverschiebung in die Wiederaufarbeitungsanlagen und die zentralen „Zwischenlager“ in Gorleben und Ahaus hat sich zurecht als eine Mogelpackung er-wiesen und ist aufgrund des Widerstandes vor Ort politisch nicht mehr durchsetzbar. Die bündnis-grüne Führung wird mit ihrem kläglichen Versuch scheitern, hunderte von CASTOR-Transporten als Teil eines „Atomausstieges“ zu verkaufen. 

    Die Montagsdemonstrationen gegen das geplante Zwischenlager beim Atomkraftwerk Neckar-westheim mit jeweils 1500 Teilnehmern und der jetzt gegen die massiven Erpressungsversuche des GKN gefasste Beschluss des Gemmrigheimer Gemeinderates, das Zwischenlager abzuleh-nen, verdeutlichen die kommunalpolitisch neue Situation als Atomkraftwerks-Standort. Mit genau den selben Argumenten und Bedenken lehnt die Bevölkerung in Gorleben und Ahaus die „Zwi-schenlager-Konzeption“ ab, hat sich dort der Widerstand entwickelt und politisch durchgesetzt. 

    Für das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim gibt es nur einen Ausweg aus dem ungelösten Atommüllproblem:

    - keine weiteren Atommülltransporte!
    - kein Zwischenlager - nirgendwo!
    - Atommüllproduktion stoppen - alle Atomanlagen sofort stilllegen!
     

    Der Sonntagsspaziergang am 4. Februar beginnt um 14 Uhr am Bahnhof in Kirchheim/N. Er führt zum Koh-lekraftwerk in Walheim. Dort werden bei Atomtransporten die Castor-Behälter von der Strasse auf die Schie-ne verladen.
     
     

    Für die Veröffentlichung dieser Presseerklärung bedanken wir uns.
     


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