Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 

Bilanz von 4 Jahren rot-grüner Atompolitik
September 2002

Bilanz von 4 Jahren rot-grüner Atompolitik –
ein Plädoyer sich wieder einzumischen

Die Grünen/Bündnis 90 stellen den mit der Atomwirtschaft ausgehandelten Atomkonsens als den größten Erfolg der rot-grünen Regierungszeit in Sachen Umweltpolitik dar. Der Öffentlichkeit wird der Atomkonsens als “Ausstieg aus der Atomenergienutzung” verkauft. Wir wollen u.a. noch einmal dar stellen, warum der sogenannte Atomkonsens in Wirklichkeit KEIN Erfolg ist, sondern eine Lüge.

Der sog. Atomkonsens ist KEIN Ausstieg aus der Atomenergienutzung, sondern er ist in Wahrheit die Garantie für den ungestörten Weiterbetrieb der Atomkraftwerke. In der Konsensvereinbarung hat die Bundesregierung den AKW-Betreibern zugesagt, daß “für die verbleibende Nutzungsdauer der ungestörte Betrieb der Kernkraftwerke wie auch deren Entsorgung gewährleistet werden.” Auf diese Garantieerklärung werden die Betreiber pochen, selbst wenn nach einem schwerwiegenden Störfall die Abschaltung eines Atomkraftwerkes geboten wäre. Diesen Persilschein hat es selbst unter der jahrelangen CDU-Regierung nicht gegeben. Kein Wunder also, daß der baden-württembergische Untersuchungsausschuß, welcher die letztjährigen Vorfälle im AKW Philippsburg untersucht, sich darauf beschränkt personelle Konsequenzen zu ziehen, anstatt die Stilllegung einzufordern.
Dieser ungestörte Weiterbetrieb soll noch ca. 35 Jahre fortwähren, was sich aus der “Rest”strommenge errechnet, welche den Energieversorgungsunternehmen (EVU) im Atomkonsens zugesichert wurde. Es wurde für KEIN einziges Atomkraftwerk ein konkretes Abschaltdatum festgelegt, statt dessen wurde den EVU eine in Zukunft zu produzierende Strommenge zugestanden, die der bislang von deutschen AKW produzierten Strommenge entspricht.
Die verheerenden Konsequenzen aus dem jahrelangen Weiterbetrieb der Atomreaktoren sind:

  • Tausende Tonnen von hochradioaktiv strahlendem Atommüll, für den schon in den letzten 30 Jahren keine Endlagerstätte gefunden werden konnte!
  • Die fortgesetzte Wiederaufarbeitung des atomaren Müll in den Plutoniumschleudern Sellafield und La Hague
  • Die andauernde gesundheitliche Gefährdung der Menschen durch radioaktive Emissionen

Da rede noch einer von Ausstieg aus der Atomenergienutzung!

Die Grünen sind 1998 in die Regierungskoalition gegangen als Hoffnungsträger für eine andere Politik. Aber was ist davon geblieben?

  • Sie wollten eine Politik, die sich radikal an den Menschenrechten ausrichtet. Jetzt haben sie der Unterordnung von Menschenrechten unter Kapital-Interessen zugestimmt als es um das Zuwanderungsgesetz ging.
  • Sie – die ehemalige Anti-Kriegs-Partei – haben den Krieg als Mittel der Politik wieder hoffähig gemacht, in dem sie der Beteiligung der Bundeswehr am Kosovo-Krieg und am Krieg gegen Afghanistan zugestimmt haben.
  • Sie – die ehemalige “Umweltpartei” – versuchen, uns den ausgehandelten Atomkonsens als gigantischen Erfolg zu verkaufen.

Der Vorwurf an die Grünen ist nicht, daß sie als kleiner Koalitionspartner zu schwach sind, sondern, daß sie ihre eigenen Prinzipien verraten haben. Und daß sie die Bürger belügen. Damit haben sie auch die außerparlamentarische Anti-Atom-Bewegung verraten, denn sie kollaborieren mit den Herrschenden GEGEN uns.
Leider haben die Grünen mit dem Märchen vom “Atomausstieg” Erfolg. Viele Menschen lehnen sich zurück, und sagen: “Die da oben werden es schon richten. Die Grünen sind an der Regierung, die nehmen den Atomausstieg schon in die Hand und dann wird alles gut!” Ehemals in der Anti-Atom-Bewegung aktive Menschen sind durch die Politik der Grünen irritiert und fühlen sich hilflos. Diese Menschen ziehen sich aus den politischen Auseinandersetzungen zurück und versuchen in der individuellen Nische ihr Leben zu gestalten. Sie sagen: “Was können wir jetzt noch tun? Die da oben machen doch eh, was sie wollen!”
Ende September ist wieder Bundestagswahl. Die rot-grüne Regierung propagiert: “Wer Stoiber wählt, stimmt für die Atomkraft!” Das mag sein. Die Grünen (oder eine andere linke Partei) zu wählen als kleineres Übel, das jedoch sollte man sich genau überlegen. Denn Eines ist klar: Wer seine Stimme abgibt, hat nichts mehr zu sagen!
EIGENTLICH !!

Aber das muß nicht sein!
Auch wer auf dem Stimmzettel sein Kreuz macht, hat weiterhin das Recht z. B. zu demonstrieren oder sich beim nächsten Castor-Transport quer zu stellen. Wir plädieren dafür, daß ihr die Politik wieder als eure Sache begreift!
Es liegt an uns, daß wir uns wieder gemeinsam als gesellschaftliche Kräfte begreifen, die sich den von den Herrschenden entworfenen Entwicklungen in den Weg stellen: gegen die Globalisierung und die Liberalisierung, gegen den Krieg und gegen die Atomkraft!


Siehe auch:
Das atomare Weihnachtsmärchen - 14. Dezember 2001: Der Bundestag beschliesst den "Atomausstieg" ...

 

 

     

 
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