Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 

Keine CASTOR-Transporte - auch nicht nach Sellafield !

[aus dem neckarwestheimer anti-atom-info nr. 29]

Statt nach Ahaus, sollen die Castoren von Neckarwestheim jetzt nach Sellafield fahren! Am 23. Januar hat Bundesumweltminister Jürgen Trittin den CASTOR-Transport vom Atomkraftwerk Neckarwestheim nach Ahaus abgesagt. Aber schon am Tag zuvor erteilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Genehmigung für einen Atommülltransport von Neckarwestheim in die britische Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Sellafield. Damit soll nach 3 ½ Jahren der Atommüll-Tourismus nach England wieder aufgenommen werden!

Keine CASTOR-Transporte - auch nicht nach Sellafield !

Im September 1997 rollte die vorerst letzte Atommüllfuhre vom Atomkraftwerk Neckarwestheim nach Sellafield. Weitere - für 1998 geplante - Transporte in die englische Wiederaufarbeitungsanlage konnten nicht durchgeführt werden, weil der dafür benutzte Transportbehälter NTL-11 einem Falltest im Febr. 1998 nicht standhielt: die Schrauben des Deckelstoßdämpfers brachen einfach ab! Statt des NTL-11-Behälters, der vom GKN 15 Jahre lang benutzt wurde, soll nun der Excellox-6-Behälter verwendet werden. Die jetzt erteilte Transportgenehmigung gibt grünes (!) Licht für die Beladung und den Abtransport von drei Behältern dieser Art, welche seit August 1999 bzw. Juni 2000 unbeladen im GKN (Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar) stehen.
Als im Frühjahr 1998 an den Atommüll-Transportbehältern Kontaminationen weit über dem zulässigen Grenzwert festgestellt wurden, verhängte die damalige Bundesumweltministerin A. Merkel einen Transporte-Stopp für Atommüllfuhren. Die von den Betreibern in Neckarwestheim ins Ausland geschickten WAA-Behälter wiesen Kontaminationen auf, die 550mal über dem zulässigen Grenzwert lagen. Und natürlich wurden diese Kontaminationen vom AKW jahrelang verschwiegen und dann auch noch geleugnet. Obwohl die Ursachen der radioaktiven Verstrahlungen nach wie vor nicht befriedigend geklärt sind, sollen die Castoren jetzt wieder rollen!
Aber die Tatsache, daß diese neuen Transporte mit einem grünen Parteibuch unterm Arm - von Trittin und Wolfram König (Chef vom Bundesamt für Strahlenschutz) - genehmigt wurden, macht die Castoren nicht sicherer! Die radioaktive Fracht stellt weiterhin - auch unter rot/grün ! - eine Gefahr für Leben und Gesundheit dar, weil die von den Behältern ausgehende Neutronenstrahlung bereits unterhalb des zulässigen Grenzwertes schädlich ist.

Das Märchen vom "Recycling"

Die so genannte "Wiederaufarbeitung" von abgebrannten, hochradioaktiv verstrahlten Brennelementen ist in Wirklichkeit eine besonders dreckige Etappe der Atomspirale. Unter dem Deckmantel "Recycling" wird in Wahrheit nur noch mehr Atommüll produziert, der dann Jahre später als verglaster, hochradioaktiver Restmüll nach Deutschland (Gorleben) zurückgefahren wird. Während hochgiftiges Plutonium und Uran in einem chemischen Prozeß aus den angelieferten Brennelementen herausgetrennt wird, vervielfacht sich der Atommüllberg um das zwanzigfache durch den Einsatz zahlreicher Hilfsstoffe, Chemikalien und Werkzeuge.
Täglich werden rd. 10 Millionen Liter radioaktiv belastetes Abwasser aus der Wiederaufarbeitungsanlage in die Irische See gepumpt. Die eingeleiteten Radionuklide verstrahlen die Natur und die Menschen, die in der Umgebung der Atomanlage leben. Untersuchungen von Greenpeace belegen, daß in der Gegend um die WAA Sellafield die radioaktive Belastung durch einige Radionuklide höher ist als die Verseuchung in der Sperrzone um den Tschernobyl-Reaktor.

Skandalfabrik Sellafield

Im letzten Jahr hat die Betreiberfirma BNFL (British Nuclear Fuels) in Sellafield die Skandalserie der letzten Jahrzehnte und ihren zu Recht bestehenden Ruf als "Plutoniumschleuder" noch übertroffen. Es wurde bekannt, daß dort Mitarbeiter seit langem die Dokumentationspapiere über die Brennelementefertigung gefälscht hatten. Davon waren zunächst nach Japan gelieferte MOX-Brennelemente betroffen. Japan hat infolge dieses Skandals alle Verträge mit Sellafield gekündigt. Im Februar 2000 gibt PreussenElektra bekannt, daß die selben MOX-Elemente auch im AKW Unterweser (Esenshamm) eingesetzt werden. Die daraufhin vorgenommene Überprüfung der von der BNFL vorgelegten Sicherheitsdokumente wies ebenfalls Defizite bei der Qualitätssicherung der BNFL auf. Das Bundesumweltministerium und das BfS äußerten am 21.02.2000 Zweifel an der Zuverlässigkeit der britischen Betreiberfirma, weil es sich offenbar um "eine systematische Vernachlässigung von Sicherheitsstandards handele." Dessen ungeachtet hält das AKW Neckarwestheim weiter an der Zusammenarbeit mit der Skandalfabrik fest und das BfS gibt seinen Segen in Form der jetzt erteilten Transportgenehmigung dazu.

Das Märchen von den "Grünen" als "Atomkraftgegnern"

Als Jürgen Trittin frischgebackener Bundesumweltminister war, war er sich - aus guten Gründen - mit dem Koalitionspartner SPD einig: "Die Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstäbe nach dem 31.12.1999 wird gesetzlich verboten. Dieses Verbot gilt auch für alle von Deutschland zu den Wiederaufarbeitungsanlagen nach Frankreich und England verbrachten, aber noch nicht wiederaufgearbeiteten Brennstäbe. Das definitive Ende der Plutoniumwirtschaft zum Jahresende ist vielleicht der wichtigste Punkt der ersten Atomgesetznovelle!" (nachzulesen in einer Pressemitteilung der Grünen vom 16. Januar 1999.)
Davon ist jetzt keine Rede mehr. Nach dem Einknicken beim "Atomkonsens" sind die Transporte in die Wiederaufarbeitung bis zum Jahre 2005 als "Entsorgungsnachweis" erlaubt, mit der Folge, daß deutscher Atommüll noch über Jahrzehnte in England und Frankreich bearbeitet wird. Anstatt der Atomwirtschaft die Stirn zu bieten und AKW wegen fehlender Entsorgungsmöglichkeiten stillzulegen, hat Trittin dafür gesorgt, daß die menschen- und umweltgefährdende Atomtechnologie noch 20 Jahre ungestört weiterbetrieben werden kann, daß Tag für Tag neuer atomarer Müll produziert wird, den niemand haben will.

Warum werden die Transporte in die WAA überhaupt wieder aufgenommen?
Der einzige Grund dafür ist die Profitgier der Atomindustrie: Weiterbetrieb der Atomanlagen um jeden Preis. Durch die Transporte nach Sellafield soll der akute Entsorgungsnotstand im GKN beseitigt und die dadurch drohende Abschaltung der beiden Neckarwestheimer Atommeiler in den nächsten Jahren abgewendet werden. Auch das Interimslager für 24 Castorbehälter, das in Kürze genehmigt wird, kann die Zeitspanne bis zur geplanten Fertigstellung des unterirdischen Zwischenlagers in frühestens 5 Jahren nicht überbrücken.

Atommülltransporte stoppen heißt Atommüllproduktion stoppen !

Nach dem altbewährten Motto "aus den Augen - aus dem Sinn" soll jetzt wieder Atommüll aus deutschen Landen ins Ausland verschoben werden, um dort die Umwelt radioaktiv zu verseuchen.
Das hat mit verantwortlicher Politik nichts zu tun!

Bei der aktuellen Debatte um die Rücktransporte aus der französischen WAA La Hague nach Gorleben argumentiert Trittin mit der nationalen Verantwortung, "wir" müssen "unseren" Atommüll zurücknehmen. Allerdings hat er keine Probleme damit, neuen Atommüll im Ausland zu "entsorgen" und verweist dabei auf den Atomkonsens. Aber diese Suppe hat er sich selber eingebrockt. Für die Anti-AKW-Bewegung gilt: Konsens bleibt Nonsens!
Verantwortung übernehmen heißt für uns: Atomtransporte da stoppen, wo Atommüll produziert wird!
Wir zeigen Solidarität mit den Menschen in Großbritannien: wir blockieren den Abtransport nach Sellafield!
Und wir sind solidarisch mit den Menschen im Wendland, wenn wir verhindern, das noch mehr Atommüll in der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield entsteht!


Termin noch unklar - aber bald!

Die vom BfS erteilte Genehmigung für den Transport nach Sellafield ist befristet bis Ende September. Wann der Transport losfahren soll, ist nicht bekannt; es kann aber schon Ende Februar soweit sein. Der genaue Termin wird möglicherweise erst sehr kurzfristig bekannt. Also: informiert Euch regelmäßig und haltet Euch bereit.
Kommt zum AKW Neckarwestheim - blockieren wir gemeinsam den CASTOR nach Sellafield!


Keine Wiederaufnahme der CASTOR-Transporte !
Kein Zwischenlager - nirgendwo !
Für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit !


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