Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 

Das atomare Weihnachtsmärchen 2001

Das atomare Weihnachtsmärchen

Es begab sich vor wenigen Tagen, mitten in der Vorweihnachtszeit in Berlin. Im Bundestag wurde die Atomnovelle beschlossen. Irgendwann, in einigen Jahrzehnten soll den AKWs das Licht ausgeblasen werden. Um dieses Wunder zu vollbringen war die ganze Regierungskunst von rot/grün gefordert. Es galt die bösen Herrscher in den Chefetagen der Energieversorgungsunternehmen zu überzeugen. Diese hatten vor dem Regierungsantritt der Sozis und der Grünen fürchterliche Zeiten hinter sich. Das Volk begehrte zuhauf auf. Zehntausende wollten in den offenen Blechscheunen - Zwischenlager genannt - im Norden der Republik die strahlenden Wundertüten nicht mehr haben. Und nachdem jahrzehntelang Grenzwerte bei Transporten tausendfach überschritten werden konnten, führte diese Lappalie plötzlich zu einem von der schwarzen Merkel verhängten mehrjährigem Transportstopp. Daraufhin quollen die Hallenbäder für die nach hunderttausenden von Jahren vollkommen ungefährlichen Stäbchen in den 19 bundesweiten runden Kuppeln über und über. Groß war die Not im ganzen Land. Nach glücklichen atomaren Jahren drohte fürchterliches Ungemach, das Abschalten stand vor der Tür. Ratlosigkeit herrschte bei den atomaren Rittern allerorten. Das Volk wollte Fakten und keine weiteren Lügen.

So begab es sich, dass rot/grün eine Idee hatte und das Märchen vom Atomausstieg nahm seinen Lauf. Bereits in der Koalitionsvereinbarung war dieses Kind zur Beruhigung des aufgebrachten Volkes geboren worden. Sofortiges Beenden der Wiederaufarbeitung schallte es in die Welt hinaus, selbst der Entzug der Betriebserlaubnis wegen der ungeklärten Endlagerfrage wurde den atomaren Herren angedroht. Wenn, ja wenn sie nicht zu einer Vereinbarung über den Atomausstieg bereit wären. Ob dieser gar fürchterlichen Drohungen setzte eine rege Reisetätigkeit im ganzen Lande ein. Die Herren Vorstände trafen sich gar häufig mit dem Minister und ab und an mit seinem Boß Gerhard. Immer kurz vor diesen Treffen zückten sie ihre Taschenrechner und verkündeten neue Millionen- und Milliardenzahlen. Nein, nicht um zu gestehen wie viele atomare Kreuzer sie bereits an Subventionen erhalten hatten. Nein, auch nicht um wegen der 75 Milliarden steuerbegünstigter Rückstellungen um Vergebung und freiwillige Rückzahlung zu bitten. Weit gefehlt. Statt sofort Abzuschalten und den ganzen atomaren Unsinn zu beenden, forderten sie für ihre längst abgeschriebenen Atomkraftwerke sogar noch eine Entschädigung.

Dies verwirrte Jürgen und Gerhard gar sehr. Bares an die atomaren Herren hätte sicherlich ihren Kopf gekostet. Doch auch hier fanden die beiden trickreich eine Lösung. Also begann das Zeitalter der Atomstromrechner: Man nehme jeweils die letzten zehn Jahre, suche davon die fünf Besten eines jeden AKWs aus. Errechne wiederum davon den Durchschnitt und multipliziere ihn noch einmal mit 5,5. Nenne diese Summe dann genial "Reststrommenge", multipliziert mit 32 Jahren "Regellaufzeit" und fertig ist der Atomausstieg. Um die Verhandlungspartner dergestalt in Ausstiegslaune zu halten erlaubten die beiden dann flugs noch die Wiederaufnahme der seit drei Jahren verbotenen Atommülltransporte. Denn diese mussten zum Thema Atomausstieg in den Jahreshauptversammlungen ihrer Aktiengesellschaften antreten. Doch statt Trübsal und Weltuntergang verkündeten sie dort das hohe Lied der zugesagten Betriebssicherheit bei eingefrorenen Sicherheitsstandards, den ungestörten Betrieb, die Möglichkeit der Verdoppelung der bisherigen Atomstrommenge im jahrzehntelangen Weiterbetrieb, das Verhindern von Abschaltungen durch Stromübertragungsmöglichkeiten, die aktive Mitwirkung am Text des neuen Atomgesetzes. So heimste der Atomausstieg auch dort viel Lob ein.

Der beschleunigte daraufhin seinen Gesetzeslauf. Das Märchen vom Atomausstieg wurde vollendet. Wer dran glaubt ist selig. Alle anderen Blockieren weiter.

     

 
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