Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 

SCHWERER STOERFALL IN SELLAFIELD

Presseerklaerung vom 12. Februar 2001
Greenpeace, 12.02.01

NACH SCHWEREM STOERFALL IN SELLAFIELD: GREENPEACE
FORDERT STOPP ALLER ATOMTRANSPORTE NACH ENGLAND

Sellafield/Hamburg, 12.02.1002 - Nachdem sich in der
britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield erneut
ein schwerer Stoerfall ereignet hat, fordert Greenpeace
die Bundesregierung auf, unverzueglich alle geplanten
Atomtransporte nach England zu stoppen.

Einem Bericht der englischen Tageszeitung "Observer"
(Sonntagsausgabe) zufolge kam es am 26. Januar in der
Atomanlage im Nordwesten Englands zu einer Panne, die
katastrophale Folgen haette haben koennen. In mehreren
Behaeltern mit fluessigen, hoch radioaktiven Abfaellen
stieg demnach die Konzentration explosiver Gase wie
Wasserstoff, nachdem die Lueftung ausgesetzt hatte. Die
Arbeiter in der Anlage nahmen die Panne zunaechst nicht
ernst und reagierten erst mit zweieinhalbstuendiger
Verzoegerung auf die Warnsignale.

"Die Explosion der Abfalltanks ist der schlimmste
denkbare Unfall in einer Wiederaufarbeitungsanlage.
Eine solche Explosion wuerde weite Teile
Grossbritanniens radioaktiv verseuchen," erklaert
Susanne Ochse, Energieexpertin bei Greenpeace. "Wer
jetzt nicht aufwacht und trotzdem weiter Atommuell nach
Sellafield liefert, dem sind die Gefahren fuer Mensch
und Natur offenbar egal. Energieversorger wie E-ON, RWE
oder ENBW duerfen nicht laenger mit den Sellafield-
Betreibern Geschaefte machen."

Die Behaelter mit dem hochradioaktiven, fluessigen
Muell gehoeren zu den gefaehrlichsten Teilen der
Atomanlage. Die fluessige Masse muss staendig gekuehlt
werden, damit sich der Behaelter nicht zu sehr aufheizt
und explodiert. In den Tanks koennen bis zu 1500 Tonnen
Atommuell gelagert werden. Der fluessige Strahlenmuell
enthaelt rund 30mal mehr radioaktives Caesium 137 als
im Kern des Ungluecksreaktors von Tschernobyl enthalten
war. Caesium war einer der Hauptbestandteile der
radioaktiven Wolke, die nach der Reaktorkatastrophe
1986 grosse Teile Europas verstrahlte. "Das zeigt, was
fuer eine Zeitbombe in Sellafield tickt", sagt Ochse.

Der aelteste der insgesamt 21 Tanks ist seit mehr als
vierzig Jahren in Betrieb. Im Februar 2000 hatte die
britische Atomaufsicht die Betreiberfirma BNFL scharf
fuer die Vernachlaessigung der gefaehrlichen Abfaelle
kritisiert und zusaetzliche Sicherheitsmassnahmen
gefordert. Der juengste Stoerfall reiht sich ein in
eine Serie von Pannen, Unfaellen und
Sicherheitsverstoessen in Sellafield.

Nur vier Tage vor der Panne erhielt das Atomkraftwerk
Neckarwestheim gruenes Licht von der Bundesregierung,
die Transporte von Atommuell nach Sellafield wieder
aufzunehmen. Ueber 700 Tonnen sollen laut Vereinbarung
mit der Atomindustrie insgesamt noch aus deutschen AKWs
nach Sellafield gebracht werden. Bundesumweltminister
Trittin hatte noch drei Tage vor dem Stoerfall in einem
Schreiben an Greenpeace erklaert, er wuerde sich auf
die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb der
Wiederaufarbeitungsanlage verlassen.


Achtung Redaktionen: Fuer Rueckfragen wenden Sie sich
bitte an Susanne Ochse, Tel: 040-30618-311 oder
Pressesprecher Stefan Schurig, Tel: 040-30618-342.


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