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Öko-Institut widerspricht Strahlenschutzkommission / Risiko vor allem für Kleinkinder
    FR, 10.08.99

    Öko-Institut widerspricht Strahlenschutzkommission / Risiko vor allem für Kleinkinder

    Von Matthias Bartsch

    Eine Studie des Darmstädter Öko-Instituts zeigt, dass die Gefahren durch Atommüll-Transporte zwischen der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague und deutschen Atomkraftwerken viel höher waren als bisher angenommen.
    WIESBADEN, 9. August. Nach Angaben des Öko-Instituts bestand besonders für Bahnarbeiter, aber auch für die allgemeine Bevölkerung, das Risiko einer "erheblichen potentiellen Strahlenexposition" durch Atommüll-Transporte zwischen Frankreich und Deutschland. Bei einem Transport von abgebrannten Brennstäben zur Wiederaufbereitungsanlage in La Hague waren 1998 sehr starke radioaktive Belastungen an der Oberfläche der Transportbehälter festgestellt worden. In einem Fall wurde der Grenzwert beinahe um das 2000-fache überschritten, woraufhin die damalige Umweltministerin Angela Merkel (CDU) einen Transportstopp anordnete.

     Das Öko-Institut widerspricht nun einer im vergangenen Jahr verbreiteten Einschätzung der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK). Diese hatte erklärt, die Transporte seien für die Bevölkerung nicht gefährlich gewesen, da "die kontaminierten Oberflächen während des Transportes nicht zugänglich" gewesen seien. Radioaktiv verseuchte Partikel hätten sich von der Oberfläche der Behälter lösen und durch Kühlungsschlitze in die Umgebung gelangen können, betont dagegen Christian Küppers vom Öko-Institut. Falls sich solche Partikel beispielsweise auf die Haut von Bahnarbeitern oder Spaziergängern abgelegt hätten, könnte der zulässige Grenzwert für die Strahlenbelastung bei den Betroffenen um das bis zu 37-fache überschritten worden sein, haben die Umweltwissenschaftler in einem Szenario ausgerechnet.

     Bei Kleinkindern könnte der Hautdosiswert sogar bis zu 1000 Mal höher als erlaubt gewesen sein, falls das verseuchte Partikel nicht innerhalb von 24 Stunden entfernt worden sei. Nach vierstündiger Einwirkzeit sei immerhin noch eine 170-fache Grenzwertüberschreitung möglich.

     Auftraggeber der Studie war die im Februar abgewählte rot-grüne hessische Landesregierung. Der neue CDU-Umweltminister Wilhelm Dietzel erklärte am Montag, die Studie beziehe sich ausdrücklich nicht auf innerdeutsche Atommüll-Transporte mit Castor-Behältern, sondern auf internationale Transporte mit französischen Transport-Container. Diese seien auf Grund ihrer Bauart erheblich schwerer zu dekontaminieren als der Castor. 
     
     

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    Copyright © Frankfurter Rundschau 1999
    Dokument erstellt am 09.08.1999 um 20.45 Uhr 
    Erscheinungsdatum 10.08.1999
     


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