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Helsinki: Europäische Organisationen kritisieren am Tschernobyl
- Jahrestag die finnische Energie-Politik
St.
Petersburg: Wieder-Inbetriebnahme des AKWs LNPP Sosnovy Bor stoppen
18
Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl kamen VertreterInnen
von NGOs und politischen Parteien aus 6 europäischen Ländern
nach Finnland, um mit der finnischen Regierung den Plan zum Bau
eines fünften Atomkraftwerks zu diskutieren und dieser ihre
entschiedene Ablehnung der Pläne zu übermitteln.
Die Organisationen, darunter auch das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand
Neckarwestheim, kritisierten den Entscheidungsprozess und forderten
die finnische Regierung auf, den Bau des EPR (European Pressurized
Water Reactor) nicht zu genehmigen.
Sie forderten weiterhin, mehr in erneuerbare Energien zu investieren,
den Energieverbrauch zu reduzieren und die zur Verfügung stehende
Energieressourcen effizienter zu verwenden.
Die
Organisationen schlossen sich der finnischen Anti-Atombewegung an,
welche eine europaweite Kampagne startete, mit der 1 Million Unterschriften
für den Atomausstieg in Europa gesammelt werden sollen.
In St. Petersburg protestierten sie gemeinsam mit russischen AtomkraftgegnerInnen
gegen die enormen Gefahren der Atomanlagen im LNPP Sosnovy Bor.

Europäische
Organisationen kritisieren am Tschernobyl - Jahrestag in Helsinki
die finnische Energie-Politik
AktivistInnen
aus Österreich, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Holland
und Schweden besuchten am 18. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl
in Helsinki das Büro des Ministerpräsidenten, das Ministerium
für Handel und Industrie, das Ministerium für Außenhandel
und Entwicklung sowie das Umweltministerium.
Die Delegation trat der Behauptung der Regierung entgegen, dass
die Entscheidung für den Bau des Atomkraftwerks in Olkiluoto
im Jahr 2002 eine demokratische gewesen sei. Meinungsumfragen hatten
damals eine klare Mehrheit für ein Referendum ergeben. Die
aktuelle Regierung, in welcher die Mehrheit der Minister als Parlamentarier
gegen den AKW-Neubau gestimmt hatten, erklärte, dass sie verpflichtet
sei, jetzt die parlamentarische Entscheidung aus dem Jahr 2002 zu
respektieren.
Die Delegation wies darauf hin, dass die Regierung immer noch in
der Lage ist, die Genehmigung aus Sicherheitsgründen abzulehnen
und präsentierte den Ministerien eine vorbereitete Zusammenfassung
der Sicherheitsdefizite beim EPR.
Aus Sicherheitsgründen ist Finnland besorgt, Atomstrom aus
Russland zu kaufen. Ungeachtet aller Sicherheitsbedenken plant TVO
(Teollisuuden Voima Oy, finnischer Energie-Konzern) jedoch einen
ungetesteten Reaktor zu kaufen, der bisher weder als Prototyp gebaut
wurde noch den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht.
Das Argument, dass Atomkraft eine Antwort auf die Klimawechsel-Problematik
sei, wurde von der Gruppe zurückgewiesen. Der nukleare Kreislauf
produziert ebenso Kohlendioxyd und der größte Zuwachs
an Emissionen (90%) in den letzten 10 Jahren in der EU steht in
direkter Verbindung mit dem Transportwesen.
Das Image Finnlands als Vorreiter im Gebiet des Umweltschutzes würde
durch den Bau des AKWs ernsthaft beschädigt. Finnland ist das
einzige Land, welches aktuell an der Konstruktion eines neuen Atomkraftwerks
beteiligt ist. Sollte von seiten der Regierung das Einverständnis
gegeben werden, weiter zu machen, wäre dies ein deutliches
Signal insbesondere an Russland, dass Atomkraft immer noch eine
zeitgemäße Art der Energieproduktion ist.
Aus diesen
Gründen forderte die Delegation die Regierung auf, die Entscheidung
zum AKW-Neubau neu zu prüfen und mehr Nachdruck auf die eigentlichen
Reichtümer Finnlands zu legen - seine Ressourcen an alternativen
Energien.
(Hierzu äußerte sich der Vertreter des finnischen Umweltministeriums
sinngemäß so: "Es ist eine Schande, dass Finnland,
als das Land in Europa mit den größten Ressourcen an
erneuerbaren Energien, weiterhin Atomenergie produziert." )

Wieder-Inbetriebnahme
des AKWs LNPP Sosnovy Bor stoppen!
Die
internationale Gruppe von AtomkraftgegnerInnen besuchte vom 23.
- 25. April St. Petersburg, um die Unterzeichnungskampagne auch
in Russland zu fördern und zeitgleich ihre Sorge bezüglich
der Pläne der russischen Regierung auszudrücken. Bei einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit Anti-Atom-Initiativen und Umweltgruppen
aus der russischen Föderation äußerten die anwesenden
VertreterInnen ihre tiefe Besorgnis insbesondere zu folgenden Tatsachen:
- Die russische
Regierung beabsichtigt, die Betriebserlaubnis des ältesten
Reaktors in der Welt vom Tschernobyl-Typ RBMK 1000, Block 1 des
Leningrad Nuclear Power Plant (LNPP) in Sosnovy Bor, auszudehnen.
Dieses zur Zeit abgeschaltete AKW soll trotz seines Alters von
über 30 Jahren Betriebsdauer nach Plänen der Regierung
im August eine neue Betriebsgenehmigung für weitere 15 Jahre
erhalten!
- Der Atommüll
dieses St. Petersburger Atomkraftwerks, der die Radioaktivität
von 40 - 50 Tschernobyl-Unfällen enthält, soll nur 90
Metern entfernt von der Ostseeküste gelagert werden. Damit
bleibt eine unglaubliche Gefahr fortbestehen.
- Die Häfen
in Ust-Luga und in Vysotsk sollen für Transporte von radioaktivem
Material benutzt und hierfür ausgebaut werden.
- Seit diesem
Jahr ist auf dem AKW-Gelände von LNPP die in Privatbesitz
befindliche "Wiederaufbereitungsanlage" ECOMET-S für
sogenannten mittel-radioaktiven Atommüll in Betrieb. Diese
Anlage wurde ohne das auch in Russland vorgeschriebene Anhörungs-
und Genehmigungsverfahren in Betrieb genommen. Die Betreiber bemühen
sich aktuell um Kundschaft auch aus dem europäischen Ausland.
Der Besuch der St. Petersburger Atomanlagen wurde den VertreterInnen
der europäischen Anti-Atom-Initiativen mit der Begründung,
sie würden gegen die Interessen der Russischen Föderation
agieren, nicht gestattet. Ebenfalls verboten wurde die von den russischen
AtomkraftgegnerInnen für den 25.4. vorbereitete Demonstration
in St. Peterburg anlässlich des Tschernobyl-Gedenktages.
Mit einer symbolischen Aktion auf dem Nevsky Prospekt (Hauptstrasse
in St. Petersburg) gedachten die Atomkraftgegnerinnen der Opfer
von Tschernobyl und protestierten zugleich gegen dieses Demonstrationsverbot.
Dem Gouverneur der Stadt St. Petersburg überbrachten die ausländischen
AtomkraftgegnerInnen zuvor in seinem Regierungspalast, einer Tradition
folgend, als Gastgeschenk eine Schale mit Brot und Obst. Dies verbunden
mit der Botschaft, als Freunde gekommen zu sein, und der Mahnung,
dass, wenn die Lebensgrundlage aufgrund von radioaktiver Verseuchung
von Nahrungsmitteln und Umwelt zerstört ist, alles andere nur
noch von nachrangiger Bedeutung ist.
Weiterführende
Infos:
Unterschriften-Kampagne: http://www.atomstopp.com
Informationen zum EPR: http://www.ippnw.de
Finnische Anti-AKW-Bewegung:
Women
for Peace in Finland
Green World: http://www.greenworld.org.ru
Bilder
zu den Aktionen in St. Petersburg und Helsinki hier.
Presse-Erklärung
17.04.: Keine neuen Atomkraftwerke
- weder in Finnland noch sonst wo auf der Welt!
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