Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 

Europäische Organisationen kritisieren am Tschernobyl - Jahrestag die finnische Energie-Politik
april 04
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Helsinki: Europäische Organisationen kritisieren am Tschernobyl - Jahrestag die finnische Energie-Politik

St. Petersburg: Wieder-Inbetriebnahme des AKWs LNPP Sosnovy Bor stoppen

18 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl kamen VertreterInnen von NGOs und politischen Parteien aus 6 europäischen Ländern nach Finnland, um mit der finnischen Regierung den Plan zum Bau eines fünften Atomkraftwerks zu diskutieren und dieser ihre entschiedene Ablehnung der Pläne zu übermitteln.
Die Organisationen, darunter auch das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim, kritisierten den Entscheidungsprozess und forderten die finnische Regierung auf, den Bau des EPR (European Pressurized Water Reactor) nicht zu genehmigen.
Sie forderten weiterhin, mehr in erneuerbare Energien zu investieren, den Energieverbrauch zu reduzieren und die zur Verfügung stehende Energieressourcen effizienter zu verwenden.

Die Organisationen schlossen sich der finnischen Anti-Atombewegung an, welche eine europaweite Kampagne startete, mit der 1 Million Unterschriften für den Atomausstieg in Europa gesammelt werden sollen.
In St. Petersburg protestierten sie gemeinsam mit russischen AtomkraftgegnerInnen gegen die enormen Gefahren der Atomanlagen im LNPP Sosnovy Bor.

Europäische Organisationen kritisieren am Tschernobyl - Jahrestag in Helsinki die finnische Energie-Politik

AktivistInnen aus Österreich, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Holland und Schweden besuchten am 18. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl in Helsinki das Büro des Ministerpräsidenten, das Ministerium für Handel und Industrie, das Ministerium für Außenhandel und Entwicklung sowie das Umweltministerium.

Die Delegation trat der Behauptung der Regierung entgegen, dass die Entscheidung für den Bau des Atomkraftwerks in Olkiluoto im Jahr 2002 eine demokratische gewesen sei. Meinungsumfragen hatten damals eine klare Mehrheit für ein Referendum ergeben. Die aktuelle Regierung, in welcher die Mehrheit der Minister als Parlamentarier gegen den AKW-Neubau gestimmt hatten, erklärte, dass sie verpflichtet sei, jetzt die parlamentarische Entscheidung aus dem Jahr 2002 zu respektieren.

Die Delegation wies darauf hin, dass die Regierung immer noch in der Lage ist, die Genehmigung aus Sicherheitsgründen abzulehnen und präsentierte den Ministerien eine vorbereitete Zusammenfassung der Sicherheitsdefizite beim EPR.

Aus Sicherheitsgründen ist Finnland besorgt, Atomstrom aus Russland zu kaufen. Ungeachtet aller Sicherheitsbedenken plant TVO (Teollisuuden Voima Oy, finnischer Energie-Konzern) jedoch einen ungetesteten Reaktor zu kaufen, der bisher weder als Prototyp gebaut wurde noch den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht.

Das Argument, dass Atomkraft eine Antwort auf die Klimawechsel-Problematik sei, wurde von der Gruppe zurückgewiesen. Der nukleare Kreislauf produziert ebenso Kohlendioxyd und der größte Zuwachs an Emissionen (90%) in den letzten 10 Jahren in der EU steht in direkter Verbindung mit dem Transportwesen.

Das Image Finnlands als Vorreiter im Gebiet des Umweltschutzes würde durch den Bau des AKWs ernsthaft beschädigt. Finnland ist das einzige Land, welches aktuell an der Konstruktion eines neuen Atomkraftwerks beteiligt ist. Sollte von seiten der Regierung das Einverständnis gegeben werden, weiter zu machen, wäre dies ein deutliches Signal insbesondere an Russland, dass Atomkraft immer noch eine zeitgemäße Art der Energieproduktion ist.

Aus diesen Gründen forderte die Delegation die Regierung auf, die Entscheidung zum AKW-Neubau neu zu prüfen und mehr Nachdruck auf die eigentlichen Reichtümer Finnlands zu legen - seine Ressourcen an alternativen Energien.
(Hierzu äußerte sich der Vertreter des finnischen Umweltministeriums sinngemäß so: "Es ist eine Schande, dass Finnland, als das Land in Europa mit den größten Ressourcen an erneuerbaren Energien, weiterhin Atomenergie produziert." )

 

Wieder-Inbetriebnahme des AKWs LNPP Sosnovy Bor stoppen!

Die internationale Gruppe von AtomkraftgegnerInnen besuchte vom 23. - 25. April St. Petersburg, um die Unterzeichnungskampagne auch in Russland zu fördern und zeitgleich ihre Sorge bezüglich der Pläne der russischen Regierung auszudrücken. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Anti-Atom-Initiativen und Umweltgruppen aus der russischen Föderation äußerten die anwesenden VertreterInnen ihre tiefe Besorgnis insbesondere zu folgenden Tatsachen:

  • Die russische Regierung beabsichtigt, die Betriebserlaubnis des ältesten Reaktors in der Welt vom Tschernobyl-Typ RBMK 1000, Block 1 des Leningrad Nuclear Power Plant (LNPP) in Sosnovy Bor, auszudehnen. Dieses zur Zeit abgeschaltete AKW soll trotz seines Alters von über 30 Jahren Betriebsdauer nach Plänen der Regierung im August eine neue Betriebsgenehmigung für weitere 15 Jahre erhalten!
  • Der Atommüll dieses St. Petersburger Atomkraftwerks, der die Radioaktivität von 40 - 50 Tschernobyl-Unfällen enthält, soll nur 90 Metern entfernt von der Ostseeküste gelagert werden. Damit bleibt eine unglaubliche Gefahr fortbestehen.
  • Die Häfen in Ust-Luga und in Vysotsk sollen für Transporte von radioaktivem Material benutzt und hierfür ausgebaut werden.
  • Seit diesem Jahr ist auf dem AKW-Gelände von LNPP die in Privatbesitz befindliche "Wiederaufbereitungsanlage" ECOMET-S für sogenannten mittel-radioaktiven Atommüll in Betrieb. Diese Anlage wurde ohne das auch in Russland vorgeschriebene Anhörungs- und Genehmigungsverfahren in Betrieb genommen. Die Betreiber bemühen sich aktuell um Kundschaft auch aus dem europäischen Ausland.

Der Besuch der St. Petersburger Atomanlagen wurde den VertreterInnen der europäischen Anti-Atom-Initiativen mit der Begründung, sie würden gegen die Interessen der Russischen Föderation agieren, nicht gestattet. Ebenfalls verboten wurde die von den russischen AtomkraftgegnerInnen für den 25.4. vorbereitete Demonstration in St. Peterburg anlässlich des Tschernobyl-Gedenktages.
Mit einer symbolischen Aktion auf dem Nevsky Prospekt (Hauptstrasse in St. Petersburg) gedachten die Atomkraftgegnerinnen der Opfer von Tschernobyl und protestierten zugleich gegen dieses Demonstrationsverbot.
Dem Gouverneur der Stadt St. Petersburg überbrachten die ausländischen AtomkraftgegnerInnen zuvor in seinem Regierungspalast, einer Tradition folgend, als Gastgeschenk eine Schale mit Brot und Obst. Dies verbunden mit der Botschaft, als Freunde gekommen zu sein, und der Mahnung, dass, wenn die Lebensgrundlage aufgrund von radioaktiver Verseuchung von Nahrungsmitteln und Umwelt zerstört ist, alles andere nur noch von nachrangiger Bedeutung ist.


Weiterführende Infos:
Unterschriften-Kampagne: http://www.atomstopp.com
Informationen zum EPR: http://www.ippnw.de
Finnische Anti-AKW-Bewegung
: Women for Peace in Finland
Green World: http://www.greenworld.org.ru


Bilder zu den Aktionen in St. Petersburg und Helsinki hier.


Presse-Erklärung 17.04.: Keine neuen Atomkraftwerke - weder in Finnland noch sonst wo auf der Welt!

 

     

 
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