[...]
GKN-Sprecher Uwe Mundt: "Ein Passagierflugzeug würde am GKN
zerschmettern. Der zwei Meter dicke Stahlbetonmantel der Reaktorgebäude
ist auf schnell und tief fliegende Militärmaschinen ausgelegt."
Auch die Castoren auf dem Gelände seien für einen Flugzeug-Aufprall
präpariert, so Mundt: "Dass bei einem derartigen Anschlag im
GKN Radioaktivität austritt, würde ich ausschließen." Zudem
sei der Standort im Neckarwestheimer Steinbruch äußerst schwer
zu treffen. [...] (Heilbroner
Stimme, 13.09.01)

Ludwigsburger
Kreiszeitung
[...] "Die Internationalen
Ärzte gegen den Atomkrieg zitierten aus Regierungsunterlagen
vom Januar 2000, wonach mehrere deutsche Meiler auch gegen einfache
Flugzeugabstürze mangelhaft oder gar nicht geschützt
seien. Dazu zählen die ältesten deutschen Meiler in
Obrigheim und Stade sowie Biblis, Brunsbüttel, Isar-1,
Philippsburg, Krümmel und Neckarwestheim-1. " [...]
(aus dem folgenden Presseartikel vom 18.09.)
Rheinische Post, 18.9.2001
Trittin lässt Konsequenzen der Terroranschläge
prüfen
Verschärfte Sicherheit in Atomanlagen
Berlin (rpo). Aufgrund der verheerenden Anschlägen
in den USA sind die Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Atomanlagen
verschärft und geplante Atomtransporte abgesagt worden.
Das Bundesumweltministerium erklärte am Dienstag, da deutsche
Atomkraftwerke gegen gezielte Terrorangriffe aus der Luft nicht
geschützt seien, würden nun "grundsätzliche
Konsequenzen" für Sicherheitsvorkehrungen geprüft.
Nach einer französischen Studie würde
etwa ein Absturz auf die Aufbereitungsanlage in La Hague eine
verheerende Katastrophe auslösen.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin habe
die Atombetreiber und die Atomaufsicht der Länder zu erhöhter
Wachsamkeit aufgefordert, sagte Ministeriumssprecher Martin
Waldhausen. Zudem sei im Ministerium eine Koordinierungsstelle
eingerichtet worden. Die deutschen Atomanlagen seien zwar gegen
den Absturz von Kampfflugzeugen ausgelegt, nicht aber gegen
den gezielten Angriff mit einer Passagiermaschine oder mächtigen
Bomben. Deshalb müsse nun grundsätzlich geprüft
werden, wie die Sicherheit erhöht werden könne, zum
Beispiel, ob eine Abschaltung der Reaktoren bei Gefahr etwas
brächte, sagte Waldhausen.
Nichts ist 100-prozentig sicher
"Im Extremfall gibt es keinen Schutz",
zitierte die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" den
Leiter der Reaktorsicherheitskommission, Lothar Hahn. Kein Atomkraftwerk
der Welt sei Großflugzeugen oder panzerbrechenden Waffen
gewachsen. Laut Hahn wird auch die Sicherheit der Atommüll-Zwischenlager
in Gorleben und Ahaus überprüft.
Die Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg
zitierten aus Regierungsunterlagen vom Januar 2000, wonach mehrere
deutsche Meiler auch gegen einfache Flugzeugabstürze mangelhaft
oder gar nicht geschützt seien. Dazu zählen die ältesten
deutschen Meiler in Obrigheim und Stade sowie Biblis, Brunsbüttel,
Isar-1, Philippsburg, Krümmel und Neckarwestheim-1. Die
baden-württembergische Landesregierung sagte unterdessen
als Konsequenz aus den Anschlägen geplante Atomtransporte
zur Wiederaufarbeitung ab, wie sie in Stuttgart mitteilte.
Absturz auf La Hague laut Studie schlimmer
als Tschernobyl
Die Folgen eines Flugzeugabsturzes auf die französische
Wiederaufarbeitungsanlage La Hague könnte weit schlimmere
Folgen haben als sie Katastrophe von Tschernobyl, wie aus einer
Studie der atomkritischen Expertengruppe Wise-Paris hervorgeht.
Das kleinste Abklingbecken enthalte selbst halbvoll 67 Mal so
viel Cäsium-137, wie bei dem bislang schwersten Reaktorunfall
freigesetzt worden sei, heißt es in der Untersuchung für
das Europäische Parlament.
Der Direktor von Wise-Paris, Mycle Schneider,
sprach sich für drastische Konsequenzen aus den Terroranschlägen
in den USA aus. So schlug er die Stationierung von Flugabwehrgeschützen
bei der WAA in der Normandie vor. Dem Aufschlag eines vollgetankten
Verkehrsflugzeugs würde selbst der Plutoniumbunker in La
Hague nicht stand halten, wo den Angaben zufolge mehr als 80
Tonnen des hochgiftigen Stoffs in Pulverform gelagert sind.
Frankfurter
Rundschau, 12.09.01
Verwundbare
Terrorziele
Atomkraftwerke
sind gegen gezielte Abstürze schutzlos
Von
Joachim Wille (Frankfurt a. M.)
Das
Inferno von New York hat eine Sorge wieder aufkeimen lassen:
Terroristen könnten auch Atomkraftwerke als Ziel für
Kamikaze-Aktionen wählen. Sicher ist: Eine Attacke wie
auf das World Trade Center könnte eine Kernschmelze auslösen
- das "worst case scenario", sagte der Leiter der
Reaktorsicherheitskommission des Bundes (RSK), Lothar Hahn,
der FR.
Der
"Informationskreis Kernenergie", ein Organ der Atomlobby,
stellt fest: "Ein abstürzendes Flugzeug darf den Sicherheitsbehälter
(des AKW, Red.) nicht durchbrechen." Den Schutz gegen ein
solches Vorkommnis sollen vier Vorkehrungen gewährleisten:
Moderne deutsche AKW zum Beispiel haben Außenwände
aus zwei Meter Stahlbeton, sicherheitstechnisch wichtige Systeme
sind in Mindestabständen von den Wänden installiert,
mehrfach vorhandene (redundante) Sicherheitssysteme sind getrennt
angeordnet, und die Anlage ist gegen Erschütterungen ausgelegt.
Berechnet
wurde dieses Sicherheitskonzept allerdings nicht für gezielte
Terrorangriffe, sondern für den Fall, dass ein Pilot die
Herrschaft über sein Flugzeug verliert und die Maschine
auf die Reaktorkuppel aufschlägt, wie Heinz-Peter Butz
von der Kölner Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit
(GRS) erläutert. Referenzfall ist eine schwere Militärmaschine
mit 775 Stundenkilometern "bei einem für die Anlage
ungünstigen Auftreffwinkel". Der Informationskreis
Kernenergie argumentiert, Großraumflugzeuge - etwa der
Jumbo-Jet - seien wegen "ihrer geringeren Materialdichte
und der darauf beruhenden ,Eigenknautschfähigkeit' sowie
der Lastverteilung auf einer größeren Fläche
im Falle des Aufschlages weniger gefährlich als eine schnellfliegende
Militärmaschine". Butz allerdings verweist darauf,
dass der Absturz eines Passagierjets bei den Sicherheitserwägungen
ausgeklammert worden sei, da er als extrem unwahrscheinlich
galt. Die Chancen, dass ein modernes AKW auch einem gezielten
Kamikaze-Angriff bei Maximalgeschwindigkeit standhalten könne,
seien deutlich geringer.
RSK-Chef
Hahn sieht - anders als Butz - die Gefahr, dass ein Kamikaze-Pilot
einen Atommeiler in vollem Flug treffen kann, als hoch an: "Ein
AKW ist als Ziel durch seine Kühltürme weithin sichtbar
- wenn das ein Flugprofi macht, dann schafft der das auch."
Durchschlage aber ein Flugzeug die Sicherheitshülle, wären
die Folgen nicht mehr beherrschbar. Der Trost, dass Deutschland
bei der Auslegung der AKW gegen Flugzeugabstürze "noch
relativ am besten" (Hahn) abschneidet, ist also gering
- zumal ältere Anlagen wie Stade oder Obrigheim diesem
Standard nicht genügen. Die Sicherheitsvorkehrungen gegen
äußere Einwirkungen bei den AKW etwa in den USA oder
in Frankreich sind schwächer, und Reaktoren aus den russischen
Baureihen haben zum Teil nicht einmal ein Containment, das gegen
Explosionen im Innern schützt.
[Copyright
© Frankfurter Rundschau 2001
Erscheinungsdatum 13.09.2001 ]
vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste
Anschläge/Umweltministerium:
Keine Hinweise auf KKW-Bedrohungen
Berlin
(vwd) - Zwar liegen keine Hinweise auf mögliche Bedrohungen
der deutschen Kernkraftwerke (KKW) vor, doch hat das Bundesumweltministerium
als Vorsichtsmaßnahme die Betreiberfirmen nuklearer Anlagen
angewiesen, den "Objektschutz der Anlage" zu erhöhen.
Dies betreffe die Sicherheitmaßnahmen der Anlagen, sagte
Ministeriumssprecher Michael Schroeren auf Anfrage von vwd.
Allerdings gebe es detaillierte Sicherheitshandbücher,
so dass zu diesem Zeitpunkt keine besonderen Anweisungen der
Aufsichtsbehörden notwendig seien.
Die
Sicherheit einer Anlage hänge von ihrem Baujahr ab, hieß
es weiter. Seit 1983 sei der Fall eines Absturzes von Militärmaschinen
des Typs Starfighter und Phantom, die mit bis zu 770 kmh fliegen,
berücksichtigt worden. Doch bei älteren Anlagen wie
Biblis A, Obrigheim, Brunsbüttel und Phillipsburg 1 wären
diese Szenarien noch nicht untersucht worden. Doch auch in diesen
älteren Anlagen gebe es Notstandsysteme, durch die der
Reaktor aus der Ferne bedient werden könne. Auch schützten
vorgelagerte Baustrukturen die Reaktorkuppel, hieß es
weiter.
Doch
der Fall eines Kamikaze-Angriffs mit einer vollbesetzten Personenmaschine
wie am Dienstag in New York sei bei den Planungen in den siebziger
und achtziger Jahren nicht berücksichtigt worden. Es gebe
keine ausreichenden Berechnungen für dieses Szenario, doch
sei die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem solchen Anschlag
kommt, gering, sagte Schroeren weiter. Die im Umweltministerium
angesiedelte Reaktorsicherheitskommission werde sich aber mit
diesem Thema befassen. +++Antje Schiffler
vwd/12.9.2001/asr/mim
12.
September 2001, 15:58