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Ludwigsburger
Kreiszeitung, 21.11.05 [ Pressefotos hier
]
Atomkraftgegner
stoppen Castor-Zug bei Bietigheim
Zwölf Personen setzen sich auf Schienen und werden weggetragen
Bietigheim-Bissingen
- (ad) Der mit hoch radioaktivem Atommüll beladene CastorTransport
ist auf dem Weg ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben
am Sonntagnachmittag bei Bietigheim von zwölf Atomkraftgegnern
für 100 Minuten gestoppt worden.
Der mit vier
Diesellokomotiven bespannte 650 Meter lange Zug mit zwölf Atommüllbehältern
hatte wenige Minuten zuvor den Bahnhof Bietigheim verlassen. Hubschrauberbesatzungen
der Bundespolizei stellten zwischen Besigheim und Bietigheim Leuchtfeuer
auf der Gleisstrecke fest. Der Zug wurde angehalten. Zwölf
Personen hatten sich auf die Schienen gesetzt. Sie mussten von der
Polizei weggetragen werden. Ein verdächtig aussehender Kosmetikkoffer
auf den Schienen wurde gesprengt. Im Bahnverkehr kam es zu Störungen.
Der von der
französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague kommende Zug,
der von einer Hundertschaft der Bundespolizei bewacht wurde, rollte
dann am Abend weiter in Richtung Niedersachsen. Allein dort stehen
10 000 Polizisten zu seiner Sicherung bereit. Entlang der Strecke
war es bis gestern zu kleineren Demonstrationen gekommen.
Der Zug hatte
nach problemloser Fahrt durch Frankreich am Sonntagmittag die deutschfranzösische
Grenze bei Lauterburg passiert. Im Bietigheimer Bahnhof hatte er
einen Stopp eingelegt. Nach Angaben der Polizei ist es der 49. Atommüllzug,
der Deutschland seit Wiederaufnahme der Transporte im März
2001 durchquert. S. 3/Kommentar S. 3
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Leuchtfeuer
markieren Castor-Widerstand
Kernkraftgegnern
gelingt es, den Atommüll-Transport für 100 Minuten zu
stoppen
Bietigheim-Bissingen
- Karl Ulrich Stolz von der Bundespolizei ist Einsatzleiter der
Begleitmannschaft des Atommüllzuges. Er hat Verständnis
für den Protest. Nur: wer sich auf Schienen begebe, gefährde
nicht nur sich selbst. Die Atomkraftgegner im Kreis dagegen sehen
mit dem gestrigen Castor-Stopp ihren bisher größten Erfolg
im Kampf gegen die Atomkraft.
30 Minuten bevor
der 650 Meter lange Castor-Zug den Bahnhof Bietigheim erreicht,
überfliegt ein Hubschrauber der Bundespolizei um 15.47 Uhr
die Bahnlinie in Richtung Besigheim. Die Besatzung kann nichts Verdächtiges
ausmachen. Der Zug mit den zwölf Atommüllbehältern
fährt aus Richtung Karlsruhe kommend in den Bahnhofsbereich
ein. Wenig später folgen fünf weitere schwere Diesellokomotiven.
Rings ums Bahngelände
sichert eine Hundertschaft der Bundespolizei, verstärkt durch
örtliche Polizeikräfte, den Bereich mit Hunden und Streifen.
Auf den Bahnsteigen herrscht normaler Betrieb. Keine Spur von Demonstranten.
16.10 Uhr setzt sich der über 3000 Tonnen schwere Zug dann
wieder in Bewegung und rollt in Richtung Besigheim. Augenscheinlich
wurde am Zug nichts verändert. Zu diesem Zeitpunkt kriechen
zwölf Atomkraftgegner auf Höhe des Klärwerks, einen
Kilometer von der Sandsiedlung entfernt, aus den Büschen, stellen
Fackeln und Leuchtfeuer auf die Gleise.
Auch ein kleiner
Kosmetikkoffer bleibt auf den Schienen liegen, der später noch
die Sprengstoffexperten der Polizei beschäftigen wird. Zwei
Hubschrauber überfliegen die Gleisstrecke in Richtung Besigheim
wenige Minuten vor dem Zug. Auf dem Parallelgleis verlässt
ein Regionalexpress den Bahnhof und fährt ebenfalls in Richtung
Besigheim. Eine Hubschrauberbesatzung erkennt die Leuchtfeuer, lässt
die Züge stoppen. Jetzt springen die Blockierer auf die Gleise
und rennen in Richtung des gestoppten Castor-Zuges, um sich wenige
hundert Meter vor der Lokomotive auf die Gleise zu setzen. Beamte
der Begleitmannschaft umringen die Blockierer, Hubschrauber kreisen
über der Stelle. Die Beamten fordern die Blockierer auf, die
Gleis zu verlassen. Nach dreimaliger Aufforderung packen sie zu
und tragen die Männer und Frauen weg. Sie werden festgehalten.
Ihre Personalien werden registriert. Um 18.15 Uhr sind die Blockierer
wieder auf freiem Fuß. Schon wenige Minuten zuvor ist der
Castor-Zug langsam an ihnen vorbei gerollt.
Der neunte Castor-Transport
war am Samstagabend von der Verladestation Valognes der Wiederaufarbeitungsanlage
La Hague gestartet. Auch im Wendland setzten gestern Demonstranten
ihre Proteste mit kleineren Aktionen fort. Am Samstag hatten in
Hitzacker an der Elbe rund 3100 Menschen gegen den Transport demonstriert.
Sie forderten den Stopp der Atomtransporte und das Abschalten aller
Atomanlagen auf der Welt.
Alfred Drossel
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