Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
Tag X in Neckarwestheim 
 
Der Tag X in Neckarwestheim 

Das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim hatte sich darauf geeinigt, am Tag X zu einer Blockade vor dem Tor 2 des Atomkraftwerkes aufzurufen. Hier müssen alle Transporte rausfahren und wir wollten diesmal eine gemeinsame Aktion von allen. Wegen des nach unserer Planung um einen Tag vorgezogenen Straßentransporttermines entfiel das für den Tag X minus 1 vorgesehene Programm am Vortag. Am Donnerstag, den 19.3.98 fand bereits der Transport statt. 

Trotzdem waren morgens um 6 Uhr an diesem Tag die ersten AtomkraftgegenerInnen vor dem Tor 2 des AKWs. Um 8 Uhr bereits ca 150 und bis um 13 Uhr dann 500 Personen, die meisten davon zur Sitz-Blockade. Die Polizei befand sich mit den ersten Hundertschaften und der Hundestaffel vor dem Tor 2. 
Ab 13,30 Uhr rückten dann die Mannschaftswagen der „CASTOR-Hundertschaften" an, ebenso die Gefangenenbusse, Wasserwerfer und die Pferdestaffel. Diese „Deeskalationsstrategie" der Polizei wurde von den AKW-GegnerInnen lautstark begrüßt. 

Seit 10 Uhr war bekannt, daß die B 27 zwischen Kirchheim und Walheim durch einen Tunnel, in dem sich 2 AKW-Gegner befanden, für den CASTOR-Transport nicht mehr befahrbar war. Der Polizei gelang es bis zum Nachmittag nicht, den Tunnel zu räumen. Darüber wurde in der Blockade laufend berichtet. Als die Polizei alle AKW-GegnerInnen massiv von den Maulwürfen fernhielt, die Presse abdrängte und sogar den Demo-Sanitätern der Kontakt verwehrt wurde, gingen aus der Blockade ca 40 Personen vor Ort. Denn inzwischen versuchte das eingeflogene Sondereinsatzkommando (das sind die mit den schwarzen Gesichtsmasken) mittels Seilen und Ketten die Beiden gewaltsam aus dem Tunnel zu ziehen. 

Vor dem Tor 2 begann der Aufmarsch der herbeigekarrten Hundertschaften. Um die Sitz-blockade wurde ein Kessel gebildet. Einschüchtern ließ sich jedoch niemand, die 3 Auf-forderungen der Polizei den Platz zu räumen wurden mit Pfiffen und Sprechchören gegen die Atompolitik beantwortet. Die zahlreichen Fernsehkameras und Fotografen konnten dann ab 16 Uhr den Beginn der Ingewahrsamnahme von AtomkraftgegenerInnen filmen, die sich von der Polizei wegtragen ließen. Nach der Personalienfeststellung wurden die Meisten mit auf den Rücken gefesselten Händen in den Gefangenenbussen abtransportiert. Diese erste von der Polizei noch ohne körperliche Gewalt durchgeführte Gefangennahme hatte einen Fehler: in 50 Minuten konnten nur 3 Gefangenentransporter mit ca 70 Atomkraftgegnern gefüllt werden! 
(An diesem Tag wurden über 120 AKW-GegnerInnen in Gewahrsam genommen!) 

Dabei hatte der CASTOR-Transport durch die Tunnelaktion bereits über 2 Stunden Verspätung, das weitere Wegtragen der Blockierer zur Ingewahrsamnahme hätte den Zeitplan vollends gekippt! 

Als um 17,15 Uhr die beiden Maulwürfe aus dem Tunnel waren, verstärkte die Polizei den Kessel um die Blockierer. Gleichzeitig ritt die Pferdestaffel in die dahinter stehenden Menschen, um sie mit Gewalt abzudrängen. Die „Eingreiftrupps" der zusätzlich aufmarschierten Polizei begannen mit körperlicher Gewalt die Blockade von hinten zu räumen. Dabei wurden 2 AKW-GegnerInnen so schwer verletzt, daß sie nach der Erstversorgung durch die Sanitätergruppe mit Rettungswagen weggefahren werden mußten. Wäre die Presse nicht so zahlreich vor Ort gewesen, hätte es bestimmt noch den Schlagstockeinsatz und noch mehr Gewalt seitens der Polizei gegeben. 
 

Das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim bewertet diesen Widerstandstag als einen Erfolg für die Anti-AKW-Bewegung in Süddeutschland. Trotz des vorgezogenen Transporttermines waren insgesamt ca 700 Personen vor Ort, um ihre Ablehnung der Atomenergie zum Ausdruck zu bringen. 
 

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