Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 

 Maulwürfe unter der Strasse 

 
 
  • aus der Zeitschrift Ö-Punkte 2/98 :
  • Maulwürfe unter der Strasse ...

    ,,Maulwürfe unter der Bundesstrasse 27 halten den CASTOR auf", so die Schlagzeile in der Stuttgarter Tageszeitung, als am 19.3 Castor Transporte das AKW Neckarwestheim verließen. Weiter im Text heißt es: ,,Nicht die Greenpeace Aktivisten und nicht die rund 400 Demonstranten vor dem Gemeinschaftskraftwerk Neckarwestheim haben gestern den Castor-Transport nach Walheim fast verhindert. Das haben zwei junge Männer getan, die aus Hamburg stammen sollen und buchstäblich im Untergrund gewühlt haben: Das Duo hatte die Bundesstrasse 27 zwischen Kirchheim und Walheim untergraben und dafür gesorgt, daß der insgesamt 180 Tonnen schwere Castor Transporter einen ganzen Nachmittag lang nicht über die Straße nach Walheim zum Rendezvous mit Castorbehältern aus Grundremmingen gebracht werden konnte. Insgesamt brauchte die Polizei sechs Stunden, um zwei Männer aus ihrem Tunnelversteck unter der Bundesstrasse auszugraben."
    4500 Polizisten und 1000 Bundesgrenzschutzbe-amte sind bereits seit Tagen im Einsatz, um die Gegend um Neckarwestheim weiträumig abzusichern und zu gewährleisten, daß die Castor- Behälter aus Neckarwestheim und Grundremmingen wie geplant mit der Bahn ins Zwischenlager Ahaus in Nordrhein-Westfalen geschafft werden. Schließlich werden neben männlichen und weiblichen Beamten auch Hub-schrauber, Hundestaffeln, Reitertrupps, Wasserwerfer, gepanzerte Fahrzeuge und Hunderte anderer Einsatzwagen in die Schlacht geworfen. Streifen kontrollieren im Unterland schon seit Tagen jeden verdächtigen Jogger, Hundeführer patrouillierten durch die Landschaft. Aber die Aktivitäten der zwei menschli-chen Maulwürfe in Sichtweite des Walheimer Kraftwerks blieben völlig unbemerkt. Ganz so positiv , wie es die Stuttgarter Tageszeitung schrieb, empfanden wir es nicht. Doch es freute uns, daß es so ankam. Daß wir den Castor mit der Aktion nicht verhindern, war uns klar, doch aufhalten sollte es. Gerade jetzt nachdem der Transport einen Tag früher fahren sollte. Jede Stunde gab die Möglichkeit, daß mehr Menschen vor dem Castor Ahaus erreichen. Auch wir wurden durch den frühen Start des Castors überrascht, so daß wir nicht mehr wie vorgesehen in der Nacht, sondern im Morgengrauen inden Tunnel kriechen mußten. Der Tunnel selber war ca. 6 Meter lang und 1,5 Meter unterhalb der Asphaltdecke mit einer kleinen Höhle am Ende, die es mit Mühe erlaubte zu drehen. Wir riefen mit unserem, zum derzeitigem Zeitpunkt noch nicht vom Schlamm bedeckten Handy die Presse an. Denn der Polizei wollten wir auf keinen Fall die Möglichkeit geben ohne das beobachtende „Auge der Öffentlich-keit" mit uns tun und lassen zu können, was sie wollte. Wie sich später erwies ein voreiliger Alarm. Denn das 50 mal 60 cm große Eingangsloch fiel keiner der drei minutigen Polizeipatrouillen auf der Strecke auf. Erst der Journalist des Ortes fand uns und ihm folgten die Cops. So waren wir nach vier Stunden ,,Harren der Dinge in Schlamm und Pfützen" gegen Mittag entdeckt. Der klägliche Versuch eines Polizisten, uns durch einen autoritären Versuch zum Herauskommen zu bewegen, blieb der einzige Versuch, mit uns zu ,,verhandeln". Als nächstes starteten die Polizeibeamten den Versuch, uns mit einem Hund einzuschüchtern und zum Rauskomrnmen zu bewegen. Glücklicherweise war der Gang so eng, daß wir uns mit unseren Füßen vor dem Hund schützen konnten. Stunde um Stunde verging und uns wurde immer kälter. Zwar hatten wir Regenklamotten an, doch um der Situation gerecht zu werden, hätten wir wohl eher Neoprenan-züge anziehen sollen. Wir waren durchgefroren und komplett naß. Das leidige Gefühl der Kälte verschwand, als der erste SEK-Cop mit Sturmmaske und Helm unsicher durch den Schlamm zum Tunnel Ende kroch, um die Lage zu beäugen. Zu seinem Mißfallen fand er zwei lebende Schlammklumpen, von denen jeweils ein Arm In einem im Boden eingelassenen Betonklotz verschwand. Hilfsbereit erklärten wir dem Beamten, daß wir festgeschlossen seien und jeglicher Versuch uns gewaltsam rauszuziehen nichts bringen würde. Trotz unserer Warnung ließen sich die extra per Hubschrauber eingeflogenen SEKler nicht von ihrem Motto ,,mit Gewalt geht alles besser" abbringen. Sie ver-suchten als Erstes einen von uns so herauszuziehen, daß sich einer der Cops um die Beine klammerte und drei Weitere an ihm zogen. Dieser Versuch endete damit, daß sich der eine Cop nicht mehr an den Beinen festhalten konnte, abrutschte und alle vier ein Stuck den Hang hinunter purzelten. Doch nach dieser Aktion war auch Schluß mit lustig. Ihnen war klar, daß es etliche Stunden brauchen würde den Betonklotz aufzumeißeln eher gesagt es fast unmöglich wäre so-lange der Gang durch unsere Körper versperrt war. Sie setzten auf physische und psychische Gewalt, welche sich in der Situation des völlig-ausgesetzt-Seins nochmal drastischer auswirkte. Nun wurde ein Seil mit einer sich zuziehenden Schlaufe um die Beine gelegt und trotz nochmaligen Warnungen fingen sechs SEKIer mit ihrer ganzen Manneskraft an zu ziehen. Die Situation ist wohl mit den mittelalterlichen Streckbän-ken vergleichbar. Die Füße wurden zusammengeschnürt und das Handgelenk drohte zu brechen. Da die SEKler trotz heftigen Schmerzensschreien nicht atifhörten, gab es lediglich die Möglichkeit aufzuge-ben, und somit machte sich die erste Person los und verließ ,,freiwillig" den Tunnel. Bei der zweiten Person erlaubte die eingekugelte, unbequeme Position nicht diese Vorgehensweise zu wiederholen. Auch wenn sie es versucht hätten, hätte es nichts gebracht, denn durch das kalte Wasser, welches sich im Betonklotz sammelte, waren seine Finger kalt gefroren und er, selbst, wenn er gewollt hätte, nicht rauskommen konnte. Sie began-nen also den Beton aufzuschlagen, zuerst mit Hammer und Meißel, später mit Schlagbohrer Die Zeit verging und es wurde immer unbequemer. Jede Minute setzte die beiden verantwortlichen SEKler mehr unter Druck. Immer öfter traf der Schlagbohrer seinen Arm. Es ging nur noch darum, ihn raus zu holen, egal wie. Gegen 18 Uhr gab auch die zweite Person endgültig auf. Wir wurden beide gewaltsam zur Aufgabe gezwungen.
     
     

    Gemeinsam!

    Die Repressionswelle von Seiten des Staates zeigt mal wieder ihre Wirkurg. Um dieser zu entkommen müssen wir uns wohl zwangsläufig immer etwas Neues einfallen lassen und versuchen mit Phantasie und Dreistig-keit alle zu überlisten.

    Jetzt bleibt um nur noch die unangenehme Aufgabe nach Geldspenden zu fragen. Unangenehm, aber anders können wir die uns zu erwartenden Kosten sicher nicht aufbringen. Etwa 20.000 DM werden uns an Gerichts-, Anwaltskosten, Strafe und Schadensersatzforderungen erwarten. Damit diese Kosten ihre abschreckende Wirkung verfehlen, finden wir es notwendig. daß die Aktivisten (jetzt mai wir in eigenei Sache) nicht mit solchen unaufbringbaren Kosten ins Absetis manövriert werden. Wir werden uns also super freuen wenn wir denen die uns vereinzeln wollen zeigen, daß wir es „zusammen" angehen und wir alle zusammen auch beim nächsten Castor-Transport unser Bestes tun.

    Bitte bitte spendet reichich auf folgendes Konto:
    Wirth Stichwort Tunnel
    Hamburger Sparkasse
    BLZ 200 505 50 
    Kto.- Nr 128 147 4286

    Danke und bis bald 
    Eure Maulwürf!
     

     

     
    Startseite
    zurück
    Mail ans Aktionsbündnis