Wiener Ztg: Unfall in Russland bei Atomkraftwerk
Wiener Zeitung, 17.12.05
> Unfall in Russland bei Atomkraftwerk
Aufzählung Zwei Verletzte, ein Toter bei Explosion.
Aufzählung Keine Strahlung ausgetreten.
St. Petersburg. Ein Todesopfer hat eine Explosion in einer Metallhütte
auf dem Gelände eines russischen Atomkraftwerks Ende der vergangenen
Woche gefordert. Dies berichtete die Nachrichtenagentur RIA-Nowosti am
Freitag. Zwei weitere Arbeiter erlitten schwere Verbrennungen.
Behörde beruhigt
Durch den Unfall sei keine Radioaktivität freigesetzt worden, erklärte
Nikolai Schingarew von der russischen Atomenergiebehörde Rosenergoatom am
Freitag.
Das Atomkraftwerk Leningrad liegt in der Ortschaft Sosnowi Bor bei St.
Petersburg. Die Explosion ereignete sich nach Angaben von Rosenergoatom
auf dem Gelände des zweiten Blocks der Anlage, der seit Juli für
Reparaturarbeiten geschlossen ist. Die Metallhütte wird von einem
Privatunternehmen namens Ekomet-S betrieben, das Metallreste aus dem
Atomkraftwerk wieder aufbereitet, sagte ein Kraftwerkssprecher. Bei der
Detonation sei flüssiges Metall aus der Schmelze geschossen. Zwar werde
in der Hütte häufig schwach radioaktives Metall aufgearbeitet, dies sei
am Donnerstag aber nicht der Fall gewesen, so der Sprecher.
Bei der betroffenen Anlage handelt es sich um ein Atomkraftwerk vom
Tschernobyl-Typ. Im ukrainischen Tschernobyl hatte sich im April 1986 die
bis heute schwerste Katastrophe in der zivilen Nutzung der Kernenergie
ereignet.
Kritik von Greenpeace
Das Büro der Umweltschutzorganisation Greenpeace in St. Petersburg
kritisierte, die Metallhütte hätte gar nicht in der Nähe des
Atomkraftwerks errichtet werden dürften. Eine gesetzlich vorgeschriebene
Umweltverträglichkeitsprüfung sei nie erfolgt. Der Unfall zeige, wie
riskant ein solcher Betrieb in der Nähe einer Nuklearanlage sei.