AP: Auch Oettinger will Abkehr vom Atomausstieg
AP, 23.12.05
> Auch Oettinger will Abkehr vom Atomausstieg
Berlin (AP) Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger hat die Forderung seines niedersächsischen Amtskollegen
Christian Wulff nach einer Abkehr vom Atomausstieg unterstützt. Oettinger
sagte «der «Financial Times Deutschland» (Freitagausgabe), Wulff habe
«völlig Recht», wenn er längere Laufzeiten für bestehende Atomkraftwerke
fordere. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf Wulff vor, «die aktuelle
Diskussion um Strompreise für seine ideologischen Vorstellungen in Sachen
Atomkraft zu missbrauchen».
«Ich sehe durchaus Spielräume für Neuverhandlungen», sagte Oettinger,
zumal auch Gewerkschafter den Ausstieg inzwischen in Frage stellten. Heil
sagte hingegen im NDR: «Es ist offensichtlich so, dass einige in der
Union geistig noch nicht in der Regierung angekommen sind, sondern in der
Opposition - leider auch ein stellvertretender Unionsvorsitzender.» Heil
erinnerte Wulff und Oettinger daran, dass sie den Koalitionsvertrag mit
gebilligt hätten, in dem der Atomausstieg verankert ist. Strompreise
könnten dadurch gesenkt werden, dass mehr Wettbewerb auf dem Energiemarkt
zugelassen und in neue Kraftwerkstechniken investiert werde.
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber wies im WDR
darauf hin, dass Atomkraft eine teure Energie sei, «die nur mit ganz
großen Subventionen überleben kann». Die Kosten trügen die Steuerzahler.
Kelber erinnerte auch an die ungelöste Endlagerfrage.
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn nannte Wulffs und Oettingers Äußerungen
«ideologisches Gefasel». Die Grünen würden sich jedem Aufweichen des
unter Rot-Grün beschlossenen Atomausstiegs entgegenstellen, kündigte er
an.