dpa: Gönner: Atomkraftwerke sollen wegen Klimaschutzes länger bleiben
DPA, 28.12.05
> Gönner: Atomkraftwerke sollen wegen Klimaschutzes länger bleiben
Stuttgart - In der Debatte um den Atomausstieg will die Union nach den
Worten von Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) weiter auf der
Verlängerung von Laufzeiten für Kernkraftwerken beharren. "Das Thema ist
nicht vom Tisch, auch wenn die SPD anderer Meinung ist", sagte Gönner in
einem dpa-Gespräch am Mittwoch in Stuttgart. Da die Erzeugung von Energie
aus Atomkraft keine Kohlendioxid-Emissionen zur Folge habe, sei sie mit
Blick auf den Klimaschutz zu befürworten. Eine Abschaltung der Kraftwerke
bis 2021 würde allein in Baden- Württemberg zu 8 bis 15 Millionen Tonnen
CO2 zusätzlich pro Jahr führen.
"Es wird nicht möglich sein, bis zu dem vereinbarten Termin den
Energiebedarf aus regenerativen Quellen zu decken", erklärte Gönner in
Stuttgart. Deshalb müssten neue Kraftwerke auf Grundlage fossiler
Rohstoffe gebaut werden. Diese würden jedoch trotz modernster Technik
nicht CO2-neutral arbeiten können. Bereits heute steige der CO2- Ausstoß
drastisch an, wenn bei einer zeitweisen Abschaltung von Kraftwerken der
Energiebedarf aus Kohlekraft gedeckt wird. Die Umweltministerin will mit
dem Argument Klimaschutz auch vor der Landtagswahl am 26. März für die
vorübergehend weitere Nutzung der umstrittenen Energieform werben.
Gönner erwartet, dass bei der Ausarbeitung eines Energiekonzeptes für
Deutschland, wie im Koalitionsvertrag der CDU und SPD vorgesehen, die
Frage der Verlängerung von Laufzeiten für die Atomkraftwerke heiß
diskutiert wird. Sie rechnet mit einem neuen Konzept bis Ende 2007. Das
letzte Energiekonzept stamme aus dem Jahr 1978, kritisierte die
Ministerin.
Der Koalitionsvertrag enthalte lediglich, dass beide Parteien
unterschiedliche Positionen vertreten. Deshalb seien Nachverhandlungen zu
dem Ausstieg möglich. "Ich will nicht, dass neue Kraftwerke gebaut
werden", betonte Gönner. Es habe aber wirtschaftlich keinen Sinn, die
Kraftwerke abzureißen, obschon diese noch funktionstüchtig seien. Da die
Anlagen inzwischen finanziell abgeschrieben seien, könnten die
erwirtschafteten Gewinne in den Ausbau regenerativer Energien investiert
werden. Auch Methoden zur Einsparung von Energie müssten verbessert
werden.
Nach Darstellung der Ministerin könnten Atomkraftwerke bis zu 50 statt
wie bisher durchschnittlich 32 Jahre am Netz bleiben. In Baden-
Württemberg war im Mai das Kraftwerk Obrigheim abgeschaltet worden. Der
Rückbau soll 15 bis 20 Jahre dauern. Als nächstes steht Neckarwestheim I
das Aus bevor. Die Abschaltung ist bis Ende 2008 geplant. Allerdings ist
hier eine Verlagerung von Restlaufzeiten eines anderen Kraftwerks
möglich. So könnte Neckarwestheim I länger als zunächst geplant am Netz
bleiben.