[älterer Artikel][Neuerer Artikel][Übersicht][

PfZ: Umweltministerin Gönner: Union will trotz SPD-Widerstandes an Kernkraft festhalten



Pforzheimer Zeitung, 29.12.05

> Neue Runde im Atomstreit
	
> Umweltministerin Gönner: Union will trotz SPD-Widerstandes an Kernkraft 
festhalten 	

STUTTGART. Die Union will laut Umweltministerin Gönner (CDU) trotz des 
Widerstandes in der SPD weiter auf längere Laufzeiten für Atommeiler 
pochen. Unterdessen plant die EnBW den Bau neuer Gas- und/oder 
Kohlekraftwerke.

Bei der nach dem Koalitionsvertrag anstehenden Ausarbeitung eines neuen 
Energiekonzeptes für Deutschland muss die Laufzeitverlängerung wieder auf 
den Verhandlungstisch, wie die Ministerin gestern in Stuttgart betonte. 
Das letzte Konzept stamme von 1978, kritisierte sie. Der 
Koalitionsvertrag enthalte lediglich, dass beide Parteien 
unterschiedliche Positionen zum Atom-ausstieg vertreten. Deshalb seien 
Nachverhandlungen möglich.

Die SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt warf der Ministerin und 
Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) eine "rückwärts gewandte und 
zukunftsfeindliche Energiepolitik" vor. "Eine SPD-geführte 
Landesregierung wird den Anteil erneuerbarer Energien bis 2015 von fünf 
auf 15 Prozent steigern. Mit der CDU geht es stattdessen zurück in die 
Zukunft", teilte Vogt mit Blick auf die Landtagswahl am 26. März mit.

"Ich will nicht, dass neue Kraftwerke gebaut werden", betonte Tanja 
Gönner. Es habe aber wirtschaftlich keinen Sinn, die Anlagen abzureißen, 
obschon diese noch funktionstüchtig seien. Da die Atomkraftwerke 
inzwischen finanziell abgeschrieben seien, könnten die erwirtschafteten 
Gewinne in den Ausbau regenerativer Energien investiert werden. Auch 
Methoden zur Einsparung von Energie müssten verbessert werden. Gönner 
warnte davor, den Wegfall der Atomenergie mit neuen Kraftwerken auf 
Grundlage fossiler Brennstoffe zu ersetzen, da diese wegen des 
Kohlendioxid (CO2)-Ausstoßes klimaschädlich seien.

EnBW plant Alternativen

Unterdessen plant die Energie Baden-Württemberg (EnBW) Alternativen zur 
Versorgung mit Atomstrom. Die EnBW will den Wegfall der Atomenergie mit 
zwei Gas- und/oder Kohlekraftwerken in Heilbronn und Karlsruhe auffangen. 
Die Vorplanungen dazu hätten begonnen. Ziel sei es, den Energiebedarf 
auch nach der Abschaltung des letzten Reaktors Neckarwestheim II im Jahr 
2021 weiter im Land aus eigener Kraft zu decken und die Jobs zu erhalten, 
sagte gestern ein Unternehmenssprecher. Außerdem würden die 
Wasserkraftwerke in Rheinfelden (Kreis Lörrach) und in Iffezheim (Kreis 
Rastatt) ausgebaut.

Zudem könnten ältere Atomkraftwerke auch länger als bisher geplant am 
Netz bleiben, wenn Restlaufzeiten anderer Reaktoren auf diese übertragen 
werden. "Wir werden die gesetzlichen Möglichkeiten ausnutzen", sagte der 
EnBW-Sprecher mit Blick auf die bis 2008 geplante Abschaltung von 
Neckarwestheim I (Kreis Heilbronn). Das Unternehmen werde sich 
"beizeiten" um die Zukunft kümmern. Der Atomstandort Neckarwestheim habe 
rund 750 Arbeitsplätze und sowohl in der Politik als auch in der Region 
großen Rückhalt, sagte der EnBW-Sprecher. Über eine Verlagerung der 
Laufzeiten entscheidet der Bundesum- weltminister.