LKZ: Angeblich amtlicher Hinweis auf Castor-Zug ist Fälschung
Ludwigsburger Kreiszeitung, 18.11.05
> Angeblich amtlicher Hinweis auf Castor-Zug ist Fälschung
> Schreiben in mehreren Orten des Kreises aufgetaucht
BIETIGHEIM-BISSINGEN
(pro) - Angeblich kommt das Schreiben aus dem Landratsamt. Tatsächlich
istes eine Fälschung: In mehreren Orten an der Bahnstrecke Karlsruhe-
Bietigheim-Heilbronn fanden Bewohner gestern nur scheinbar
"amtliche"Hinweise auf einen geplanten Castor-Transport am kommenden
Wochenende in ihren Briefkästen.
Tatsächlich gehen deutsche und französische Atomkraftgegner davon aus,
dass ein Castor-Zug die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague
am frühen Samstagabend in Richtung Gorleben verlässt. Die deutsche
Grenze soll der Transport mit der radioaktiven Fracht am Mittag des
Totensonntags bei Wörth überschreiten.
Vermutlich stecken Atomkraftgegner auch hinter dem auf den ersten Blick
nur schwer als Fälschung erkennbaren Schreiben, das gestern in mehreren
Orten des Landkreises aufgetaucht ist. Der Inhalt des mit dem Briefkopf
des Landratsamtes versehenen Briefes freilich spricht für sich. Denn
zum einen bestätigt er den mutmaßlichen Termin des Atommülltransports
und gibt darüber hinaus Hinweise auf die Strecke sowie - indirekt - auf
einen wahrscheinlichen Zwischenstopp in Bietigheim, was ein für
deutsche Behörden bislang einmaliges Vorgehen wäre. Zweitens teilt das
angebliche Schreiben der Katastrophenschutzbehörde den Anwohnern der
Bahnstrecke zwar mit, dass "jegliche Gefährdung für die Bevölkerung
ausgeschlossen" sei. Keinesfalls sollten die Anwohner daher aus falsch
verstandener Prävention Jodtabletten einnehmen, die im vergangenen Jahr
kostenlos an die Haushalte im engeren Umkreis des Atomkraftwerks
Neckarwestheim verteilt worden waren. Doch dann folgt eine gezielte
Beunruhigung der Bevölkerung: Dennoch sei es empfehlenswert, so der
vorgebliche Ratschlag von Amts wegen, Jodtabletten bereit zu halten. Im
"sehr unwahrscheinlichen Fall", der "die Verwendung der Tabletten
erforderlich macht", werde die Bevölkerung über Radiodurchsagen
informiert.