ddp: Verwaltungsgerichtshof verhandelt über atomare Zwischenlager
DDP, 08.12.05
> Verwaltungsgerichtshof verhandelt über atomare Zwischenlager
München (ddp-bay). Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof verhandelt ab
Dienstag nächster Woche über den geplanten Bau der drei bayerischen
Atommüll-Zwischenlager in Gundremmingen, Grafenrheinfeld und Ohu bei
Landshut. Nach Angaben des Forums «Gemeinsam gegen das Zwischenlager und
für eine verantwortbare Energiepolitik» werden dabei erstmals in
Deutschland öffentlich die Klagen von Anrainern und Atomkraft-Gegnern
gegen atomare Zwischenlager erörtert. Die Einwände gegen die Anlagen
konzentrieren sich auf Sicherheitsfragen, wie der Sprecher des Forums,
Raimund Kamm, am Donnerstag in München sagte. Laut Kamm bieten die Hallen
der Zwischenlager «keinen Schutz gegen Flugzeugabstürze oder
terroristische Angriffe».
Die Hallen seien einfach gebaute, an «moderne Möbelhäuser» erinnernde
Konstruktionen, die den eingelagerten Castor-Behältern «absolut keinen
Schutz» bieten, kritisierte der Sprecher. Er warf der Atomkraft-Lobby
vor, mit dem Bau der neuen Zwischenlager zudem eine Betriebsverlängerung
der Kernkraftwerke im Schilde zu führen.
Bayern ist nach Angaben des Bundes Naturschutz (BN) das Bundesland mit
den meisten Reaktoren in Deutschland. Die Staatsregierung und die
Genehmigungsbehörden verfolgten in Sachen Atompolitik eine
«Geheimhaltungsstrategie», sagte der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger.
«Doch auf die Verdummungsstrategie der Betreiber ist die bayerische
Bevölkerung nicht hereingefallen», begründete er den «großen Widerstand»
gegen die bayerischen Zwischenlager.
Betrieben werden die drei Kernkraftwerke von den Energiekonzernen RWE und
E.ON. Nach Aussagen der Umweltschützer sind die Hallen der Zwischenlager
bereits «so gut wie fertig». Die Betreiber könnten unverzüglich mit der
Einlagerung von Brennelementen beginnen. Der bayerische Prozess gegen die
Atomlager sei «richtungsweisend für ganz Deutschland».