Hn-St: Neckarwestheim hat 50 Millionen auf der Bank
Heilbronner Stimme, 09.12.05
> Neckarwestheim hat 50 Millionen auf der Bank
Von Uwe Mundt
Alle Jahre wieder . . . bei der Präsentation der Schlussrechnung im
Neckarwestheimer Gemeinderat: Um fast das Dreifache hat sich das Volumen
des kommunalen Haushalts 2004 gesteigert. Die Rücklage ist auf mehr als
50 Millionen Euro angewachsen.
In den vergangenen Jahren hat die Jahresrechnung so gut wie immer eine
Verbesserung der Neckarwestheimer Finanzlage gegenüber dem ursprünglichen
Haushaltsplan gebracht. Im Jahr 2004 aber hat die Gemeinde besonders tief
in den Glückstopf gegriffen.
Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sind um das Dreifache von
veranschlagten vier auf 12,6 Millionen Euro gestiegen. Der Grund sind,
wie Kämmerer Walter Link am Mittwochabend im Gemeinderat erläuterte,
Nachzahlungen der früheren Muttergesellschaften des Atomkraftwerks bis
zurück ins Jahr 1990, insbesondere wegen der von der rot-grünen Koalition
beschlossenen Auflösung von Rückstellungen für Entsorgung und Abbau der
Kraftwerksanlagen.
Im vergangenen Jahr kamen allerdings noch einmal fast zwölf Millionen
Euro aus der Schweiz hinzu. Die musste nach einem Urteil des
eidgenössischen Bundesgerichts eine Schweizer Bank zahlen. Deren
Rechtsvorgängerin hatte in den 90er Jahren dem früheren Neckarwestheimer
Bürgermeister Horst Armbrust zwei Barschecks über insgesamt 15 Millionen
Mark (knapp 7,7 Millionen Euro) ausgehändigt, die dann in dunklen Kanälen
verschwunden waren. Die Bundesrichter hatten der Bank Fahrlässigkeit
bescheinigt und sie zur Rückzahlung der Summe plus Zinsen verurteilt.
Über einen gleich hohen Betrag wird in Folge des Armbrust-Skandals noch
gegen eine Bank vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt/Main verhandelt.
Während die Mehreinnahmen an Gewerbesteuern noch im Jahr 2004 zu einer
erhöhten Gewerbesteuerumlage von 2,11 anstelle eingeplanter 1,39
Millionen Euro geführt hat, wirken sie sich für Finanzausgleichs- und
Kreisumlage erst im Jahr 2006 aus. Dann werde die Zahlung Neckarwestheims
in die Kreiskasse überproportional zur Finanzierung des Kreishaushalts
beitragen, erklärte der Kämmerer. Die Nachzahlungszinsen der Ex-GKN-
Mütter und das Geld aus der Schweiz - insgesamt rund zehn Millionen Euro -
bleiben dagegen komplett in der Gemeindekasse. Dafür zahlte die Kommune
laut Link seit 1997 etwa 2,5 Millionen Euro an Anwalts- und
Gerichtskosten.
Die gute Einnahmesituation hat dazu geführt, dass knapp 14 Millionen Euro
aus dem Verwaltungshaushalt der Gemeinde in ihren Vermögenshaushalt
flossen. Damit und mit anderen übrigen Geldern ist die Rücklage um 18,5
Millionen Euro aufgefüllt worden, sodass Neckarwestheim nun 50,3
Millionen auf der hohen Kante hat.
Der Gemeinde bietet die ausgezeichnete finanzielle Situation die
Möglichkeit, über die anstehenden Investitionen ohne finanzielle Sorgen
entscheiden zu können , resümierte der Kämmerer vor den zufriedenen
Räten.