HN-St: GKN I soll länger als 2009 laufen
Heilbronner Stimme, 02.11.05
> GKN I soll länger als 2009 laufen
Von Iris Baars-Werner, Manfred Stockburger, Joachim Kinzinger
Ministerpräsident Günther Oettinger hat die Region aufgefordert, um ihr
Atomkraftwerk in Neckarwestheim zu kämpfen. Machen Sie Druck auf die
Regierung - auf alle Seiten , forderte er die Vertreter der Region beim
Festakt zum Jubiläum der IHK Heilbronn-Franken auf.
Ein Blick auf die beiden Atomkraftwerke in Neckarwestheim. Der erste
Block (im Hintergrund) soll laut Atomkonsens 2009 vom Netz. (Foto: W.
Kuhnle)
Die Lage ist ernst. Wenn wir nichts ändern, dann wird GKN noch in dieser
Legislaturperiode abgeschaltet , sagte Oettinger. Wenn die Laufzeit der
Meiler nicht an die Technik und die Sicherheit der Anlagen gekoppelt
würde, dann seien die Arbeitsplätze weg.
Ekkehard Hein vom Regionalverband meint dazu: Wenn GKN I im Jahr 2009
abgeschaltet wird, läuft GKN II trotzdem weiter. Und das Zwischenlager
haben wir ja auch weiterhin. Deswegen bringt die Abschaltung von Block I
der Region nicht wirklich viel. Er empfiehlt, die teure Kraftwerks-
Infrastruktur so lange wie möglich zu nützen.
Rudolf Luz von der IG Metall, ist für die Einhaltung des Atomkonsens:
Oettingers Aufforderung war bewusst platziert, um Einfluss auf die
Koalitionsverhandlungen in Berlin zu nehmen. Luz kann die Diskussion um
GKN und die Arbeitsplätze zwar nachvollziehen. Aber die Gründe zum
Ausstieg bleiben ja auch bestehen .
Nicht verantwortbar ist für den Heilbronner OB Helmut Himmelsbach, dass
ein so großes Kapitalengagement vor Ende der Nutzungszeit abgeschrieben
wird . Er war noch nie für den Atomkompromiss. Und auch jetzt, wenige
Tage nach einer Visite im Atomstrom-Land Frankreich, fragt sich der
Regionsvorsitzende, ob wir in Deutschland eine Scheindiskussion führen .
Eine Erwartung aber hat Himmelsbach: Wenn GKN länger am Netz bleibe, dann
dürfe dies nicht nur die Kassen der Stromkonzerne füllen, sondern müsse
sich auch spürbar auf die Verbraucherpreise auswirken.
Er sei wahrlich kein glühender Atomfan , sagt Landrat Detlef Piepenburg.
So gebe es ungelöste Probleme beim Atommüll. Dennoch plädiert der
Heilbronner Kreischef dafür, dass ein sicheres GKN I länger als 2009
laufen soll. Schließlich gehe es um die Energieversorgung, um den Strom
für die Bahn, um Arbeitsplätze im Kraftwerk und in der Region. Er geht
davon aus, dass die politische Entscheidung von den Sicherheitsfragen
abhängt.
Ich freue mich, dass das GKN in der Region Unterstützung findet , erklärt
Dirk Ommeln, Pressesprecher des Stromkonzerns EnBW. Das Unternehmen halte
sich an das Gesetz zum Atomausstieg, weise aber auch auf die Folgen hin:
für Klimaschutz, Energiemix, Arbeitsplätze. Neckarwestheims
Gemeindekämmerer Walter Link erklärt, die Gemeinde sei nicht erfreut,
wenn GKN I 2009 still gelegt werde, allein wegen der Arbeitsplätze. Die
Kehrseite der Medaille nennt Link auch: mehr Atommüll. Für den Bund der
Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar lehnt Sprecher Wolfram Scheffbuch eine
längere Laufzeit strikt ab .