afp: Union und SPD offenbar einig bei Atompolitik
AFP, 09.11.05
> Union und SPD offenbar einig bei Atompolitik
Berlin (AFP) - Union und SPD haben sich bei den Koalitionsverhandlungen
offenbar darauf geeinigt, die Laufzeiten der Atomkraftwerke nicht zu
verlängern. Wie die "Süddeutsche Zeitung" erfuhr, einigten sich die
Verhandlungsführer darauf, den bestehenden Atomkonsens nicht anzutasten.
Beide Seiten hätten das geltende Gesetz "zur Kenntnis genommen". Laut
Atomausstiegsgesetz müssen die deutschen Kernkraftwerke rechnerisch nach
32 Jahren Laufzeit abgeschaltet werden. Das letzte deutsche Atomkraftwerk
ginge dann spätestens im Jahr 2021 vom Netz.
Der Zeitung zufolge verständigte sich die vierköpfige Verhandlungsgruppe
von Union und SPD zudem darauf, die Erforschung sicherer Reaktoren nicht
nur fortzusetzen, sondern auszubauen. Noch in dieser Legislaturperiode
solle zudem ein Gesetz über die Entsorgung stark radioaktiven Mülls auf
den Weg kommen. Nachdem sich die zuständigen Arbeitskreise nicht auf eine
Formel für die künftige Nutzung der Atomenergie hatten einigen können,
verhandelten zuletzt die beiden designierten Minister Sigmar Gabriel
(Umwelt, SPD) und Michael Glos (Wirtschaft, CSU) sowie die
stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Klaus Lippold (CDU) und Ludwig
Stiegler (SPD) über die strittige Frage.
Sollte die Einigung in den Schlussgesprächen Bestand haben, wäre eines
der zentralen Streitthemen aus dem Weg geräumt. Die Union war mit der
Forderung in den Wahlkampf gezogen, die Atomkraftwerke müssten länger
laufen; sie seien sicher genug, um über die 32-Jahres-Frist hinaus Dienst
zu tun. Dagegen verteidigte die SPD den Atomkonsens, den sie als
Koalitionspartner der Grünen mit den Kernkraftwerksbetreibern
ausgehandelt hatte. Die Sozialdemokraten begründeten dies damit, dass
eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke der Parteibasis nicht zu
vermitteln sei.
Gemäß dem mit der Energiewirtschaft erzielten Ausstiegskonsens müssten
die Meiler Biblis A und Neckarwestheim 1 eigentlich bis 2009 abgeschaltet
werden. CDU und CSU hatten jedoch Überlegungen angestellt, für den
Weiterbetrieb der Meiler eine spezielle Klausel aus dem Atomkonsens vom
Juni 2000 zu nutzen. Danach können in Ausnahmefällen ältere
Kernkraftwerke länger laufen, wenn dafür die Restlaufzeit von jüngeren
Anlagen verkürzt wird.