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dpa: Weiter Streit um Atomenergie



DPA, 10.11.05

> Weiter Streit um Atomenergie

Berlin (dpa) - Nach dem Einspruch der Unionsführung ist der Konflikt um 
längere Laufzeiten von Atomkraftwerken weiter ungelöst. Zwei Tage vor der 
geplanten Koalitionsvereinbarung kündigte der designierte SPD-
Umweltminister Sigmar Gabriel an, voraussichtlich könne das Thema erst am 
Donnerstagabend am Ende der Koalitionsrunde geklärt werden.

«In der Atomfrage haben wir nach wie vor keinen Konsens», sagte Gabriel 
am Mittwoch. Eine am Vorabend gemeldete Einigung der Fachleute wurde von 
Gabriel und auch vom Unionsfraktions-Vize Klaus Lippold (CDU) dementiert.

Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Teilnehmerkreisen erfuhr, wollten 
sowohl CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel wie auch die CSU ein einfaches 
Festhalten an dem von der SPD ultimativ verlangten Atomausstieg bis 2021 
nicht akzeptieren. Dem Vernehmen nach herrsche bei Merkel und in der CSU-
Führung Unzufriedenheit, dass es in den bisherigen Verhandlungen nicht 
gelungen sei, der Atomwirtschaft für die nächsten Jahre weitere 
Perspektiven aufzuzeigen. Für akzeptabel gehalten wurde die Vereinbarung 
der Energie- und Umweltfachleute, in der neuen Wahlperiode die 
Entsorgungsfrage zu lösen. Die Union bevorzugt ein Endlager Gorleben, was 
die SPD jedoch ablehnt. Diese Auseinandersetzung wäre damit erst einmal 
vertagt.

CDU und CSU wollten ursprünglich den von Rot-Grün mit den 
Energiekonzernen vereinbarten Atomausstieg wieder aufschnüren und die 
Laufzeiten der Atomkraftwerke (AKW) um acht Jahre verlängern. Die SPD-
Führung besteht jedoch auf der Vereinbarung und will auch unter Hinweis 
auf den geplanten Ausbau erneuerbarer Energien nicht in Konflikt mit dem 
am kommenden Montag beginnenden Parteitag geraten. Laut Atomkonsens 
müssen die Meiler rechnerisch nach 32 Jahren Laufzeit abgeschaltet 
werden.

Die «Süddeutsche Zeitung» (Mittwoch) hatte berichtet, die SPD habe am 
Dienstagabend in kleiner Runde die Verlängerung der Laufzeiten verhindern 
können. Damit werde das geltende Atomgesetz nur «zur Kenntnis genommen». 
Zugleich habe man sich darauf verständigt, die Erforschung sicherer 
Reaktoren auszubauen, während es von anderer Seite hieß, die Sicherheit 
der vorhandenen Reaktoren müsse hoch bleiben. Teilnehmer dieses Gesprächs 
waren neben Gabriel und Lippold der designierte Wirtschaftsminister 
Michael Glos (CSU) und SPD- Fraktionsvize Ludwig Stiegler.

Lippold dementierte den Zeitungsbericht und erklärte: «Ein Konsens wurde 
bisher nicht erzielt. Die Verhandlungen werden fortgeführt.» Gabriel 
bestätigte am Rande einer Koalitionsrunde, die Union habe in der Nutzung 
der Kernenergie «prinzipiell eine andere Haltung». Die Arbeitsebene - 
also die Gruppe der Fachleute - habe mit ihren Möglichkeiten Vorschläge 
erarbeitet. «Das Thema ist jetzt so hinreichend diskutiert, dass es 
vermutlich morgen am Ende geklärt werden wird», spielte er auf die 
Einschaltung der Parteiführungen an. Trotz des Streits erwarte er, dass 
es eine Lösung geben werde.

Die FDP sieht die Koalitionsverhandlungen über die Energiepolitik als 
«gescheitert» an. Ihre Energieexpertin Gudrun Kopp, erklärte: «Offenbar 
überschattet der Wunsch von Angela Merkel, endlich das Kanzleramt zu 
beziehen, jede inhaltliche Geradlinigkeit so vollständig, dass die 
Hoffnung auf eine Verbesserung der Standortbedingungen in Deutschland 
jedenfalls im Energiebereich schon jetzt begraben werden muss.»