ddp: Polizei begleitet Castor-Transport mit Großaufgebot
DDP, 14.11.05
> Polizei begleitet Castor-Transport mit Großaufgebot
Hannover (ddp-nrd). Die Polizei will möglichen Protesten gegen den
bevorstehenden Atommüll-Transport in das Zwischenlager Gorleben mit einem
Großaufgebot an Sicherheitskräften begegnen. Die Zahl der eingesetzten
Kräfte werde geringfügig über der des vergangenen Jahres liegen, sagte
Friedrich Niehörster, Präsident der Polizeidirektion Lüneburg, am Montag
in Hannover. Genaue Angaben zum Umfang des Polizeiaufgebotes wollte er
nicht machen. 2004 waren Niehörster zufolge bis zu 8900 Polizisten der
Landesdienststellen sowie etwa 1440 Beamte des Bundesgrenzschutzes im
Einsatz.
«Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, von uns aus kann der Castor
kommen», sagte Hans-Georg Lison, Vizepräsident des Grenzschutzpräsidiums
Nord und Einsatzleiter der Bundespolizei beim voraussichtlich am 19.
November beginnenden Castor-Einsatz. Den Kräften der Bundespolizei
obliegt die Sicherung der etwa 1000 Kilometer umfassenden Gleisstrecke
des Atommülltransportes.
«Wir sind auf alles vorbereitet, haben aber keine Anhaltspunkte, von
einer Radikalisierung der Protestaktionen auszugehen», sagte Niehörster.
Bei der Polizei gingen bisher insgesamt 28 Anmeldungen für Aktionen von
Atomkraftgegnern ein. Im Jahr 2003 waren es noch 100 Anmeldungen.
Im Vorfeld des Castortransportes würden zu Demonstrationen in der Region
rund 3000 Menschen erwartet, sagte Francis Althoff, Sprecher der
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Am Wochenende seien
zahlreiche Aktionen geplant, so unter anderem eine Demonstration am
Samstag in Hitzacker und eine Trecker-Sternfahrt nach Klein-Gusborn am
Sonntag. Althoff zufolge wird der Zug mit der radioaktiven Ladung am
Sonntag um 11.50 Uhr die deutsche Grenze in Lauterburg passieren.
Die Aktivistin der Umweltschutzorganisation Robin Wood, Bettina Dannheim,
betonte, dass es die «nationale Verantwortung des Landes» sei, die
Wiederaufbereitung atomarer Brennstoffe sofort zu stoppen. Zudem eigne
sich das Zwischenlager Gorleben, in dem sich bisher 56 abgebrannte
Brennelemente befinden, nicht als Endlager.
Auch Althoff fürchtet eine Aufhebung des Moratoriums. Wegen eines
defekten Deckgebirges über dem als Atomlager dienendem Salzstock müsse
Gorleben sofort aufgegeben werden, forderte er. Den Defekt habe das
Bundesumweltministerium kürzlich in einem Brief an den Ausschuss
Atomanlagen des Landkreises Lüchow Dannenberg bestätigt.