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Pf-Ztg: Oettinger lässt nicht locker



Pforzheimer Zeitung, 15.11.05

> Oettinger lässt nicht locker
> Neuen Vorstoß für längere Reaktorlaufzeiten angekündigt  	

WASHINGTON. Ministerpräsident Oettinger (CDU) will in zwei bis drei 
Jahren einen neuen Vorstoß für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken 
unternehmen. Denn mit der Abschaltung des ersten Blocks des Reaktors 
Neckarwestheim werde eine beträchtliche Lücke in der Energieversorgung 
des Landes entstehen, sagte Oettinger gestern zu Beginn seiner 
einwöchigen USA-Reise in Washington. Bei den Verhandlungen zur Bildung 
einer großen Koalition hatte die SPD sich mit dem Festhalten am 
Atomausstieg durchgesetzt.

Die Südwest-Grünen bezeichneten Oettingers Plan als „sinnloses 
Nachhutgefecht“. Anstatt sich für die überholte Risikotechnologie 
Kernkraft einzusetzen, sollte sich der Ministerpräsident darauf 
konzentrieren, eine neue zukunftsorientierte Energiepolitik für Baden-
Württemberg zu realisieren, sagte Landtags-Fraktionschef Winfried 
Kretschmann in Stuttgart. Die Landesvorsitzende Sylvia Kotting-Uhl 
erklärte, die von Oettinger befürchtete „beträchtliche Lücke“ werde es 
nicht geben, wenn diese mit erneuerbaren Energien rechtzeitig geschlossen 
wird. Oettinger müsse wissen, dass im Falle des Kündigens des Atomkonsens 
die Reaktoren keine Genehmigungen mehr hätten und neue Verträge notwendig 
wären.

Der Regierungschef sagte: „Es wird sich zeigen, dass in zwei bis drei 
Jahren der Zubau umweltfreundlicher Energie in der Dimension, wie es die 
Abschaltung von Neckarwestheim I nötig machen würde, nicht gelingen 
kann.“ Er werde sich deshalb mit der Energiewirtschaft und mit den 
Gewerkschaften über längere Laufzeiten abstimmen, um dann eine 
entsprechende Initiative im Bundesrat zu starten.
Die Koalitionsvereinbarung in den Teilen Wirtschaft, Steuern und 
Staatsfinanzen bewertete Oettinger positiv: „Mit dem Konsens zur 
Haushaltskonsolidierung bin ich sehr zufrieden.“ Er werde dazu führen, 
dass der Bundeshaushalt 2007 und in den Jahren danach der Verfassung 
entspricht und die EU-Stabilitätskriterien erfüllt.Die Mehreinnahmen im 
Landesetat durch die Mehrwertsteuererhöhung schätzt er pro Jahr auf etwa 
700 Millionen Euro. Dieses Geld werden zum Abbau der Verschuldung des 
Landes verwendet, kündigte der CDU-Politiker an.Aus seiner Sicht bietet 
die große Koalition eine Chance für Deutschland. „Die Chemie der 
handelnden Personen stimmt“, sagte der Regierungschef. Er erwarte auch, 
dass der Druck wächst, bisher ausgesparte Bereiche wie die 
Gesundheitspolitik baldmöglichst in Angriff zu nehmen.Er fügte hinzu: 
„Ich glaube, dass die Haushaltskonsolidierung ein allgemeines Zeichen für 
eine solide Politik und damit ein positives Signal für Arbeitgeber und 
Investoren setzt.“ Erstmals seit Jahren würden die Lohnnebenkosten unter 
40 Prozent gesenkt, statt wie bisher stetig zu steigen. Dies alles werde 
Impulse für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt geben und die Gefahr 
begrenzen, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung durch die 
Mehrwertsteuererhöhung im Jahr 2007 wieder gebremst wird. „Wenn die 
Maßnahmen sauber gemacht werden, bin ich mir sicher, dass die Wirtschaft 
die Mehrwertsteuererhöhung verkraften wird und es kein Ein-Jahres-
Strohfeuer geben wird“, meinte er.