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StN: Castor-Transport rollt nach Gorleben - Blockade von Atomkraft-Gegnern in Bietigheim kostet eineinhalb Stunden



Stuttgarter Nachrichten, 21.12.05

> Castor-Transport rollt nach Gorleben
> Blockade von Atomkraft-Gegnern in Bietigheim kostet eineinhalb Stunden
 
Dannenberg (AP) - Der neue Castor-Transport rollt weiter in Richtung 
Zwischenlager Gorleben. Der Zug mit zwölf Atommüll-Behältern aus der 
französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague erreichte am 
Sonntagabend Hessen.

In Fulda versammelten sich Atomkraftgegner in der Nähe des Bahnhofs. 
Zuvor war es Demonstranten in Baden-Württemberg gelungen, den Transport 
eineinhalb Stunden lang aufzuhalten.

Die Sitzblockade in Bietigheim bei Stuttgart mit mindestens zwölf 
Teilnehmern wurde von Polizisten beendet. Im südpfälzischen Wörth hatte 
die Polizei zuvor 18 Platzverweise ausgesprochen, als sich Demonstranten 
den Gleisen näherten. Bei einem von den Atomkraftgegnern als von ihnen 
erzwungen gemeldeten Stopp in Lauda-Königshofen bei Tauberbischofsheim 
handelte es sich laut Bundespolizei um einen betriebstechnischen Halt.

Im niedersächsischen Wendland, wo der neunte Castor-Transport nach 
Gorleben heute erwartet wird, blockierten Bauern mit 100 Traktoren eine 
Straße nahe der Ortschaft Klein Gusborn. Die Polizei forderte die 
Teilnehmer am Abend auf, die Straße freiwillig zu räumen. Als der 
Aufforderung nur einzelne Landwirte nachkamen, fuhren die Polizisten 
selbst mehrere Trecker weg. Zudem gelang es offenbar einigen 
Atomkraftgegnern, ein größeres Loch in den Asphalt zu graben. Bereits am 
Samstag hatten im nahe gelegenen Hitzacker mehr als 3000 Atomkraftgegner 
friedlich demonstriert.

Am Sonntagmittag hatte der Zug bei Lauterbourg die französisch-deutsche 
Grenze überquert. Die nächtliche Fahrt durch Frankreich war ohne größere 
Störungen verlaufen. In Nancy warfen Atomkraftgegner Feuerwerkskörper auf 
die Gleise. Die Aktivisten gedachten auch des 23-jährigen 
Atomkraftgegners, der im vergangenen Jahr einen ähnlichen Transport 
blockieren wollte und dabei ums Leben kam.

Nach Angaben des französischen Atomunternehmens Cogema transportiert der 
Atommüllzug 175 Tonnen hochradioaktive Spaltprodukte und 586 Tonnen Uran. 
Die Polizei will in Deutschland allein auf den letzten 70 Kilometern 
zwischen Lüneburg und Gorleben 10 000 Beamte einsetzen, um den Transport 
zu sichern.

Der Castor-Transport entfachte am Wochenende erneut die Diskussion über 
ein atomares Endlager für hoch strahlenden Müll. Die Grünen warnten die 
große Koalition, sich zu schnell auf das bisherige Zwischenlager Gorleben 
festzulegen.
 
Aktualisiert: 21.11.2005, 06:12 Uhr