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FR: Castor-Transport erreicht das Wendland



Frankfurter Rundschau, 21.11.05

> Castor-Transport erreicht das Wendland
> Atomkraftgegner zünden Strohballen an, Polizei löscht mit Wasserwerfern 
/ Gleisblockaden können Zug nur kurz stoppen

Der Castor-Transport mit hochradioaktivem Abfall ist am Montag trotz der 
Proteste von mehreren hundert Atomkraftgegnern im niedersächsischen 
Wendland angekommen.

Atomkraftgegner und Polizei in Harlingen (dpa)
+ Atomkraftgegner und Polizei in Harlingen (dpa)
Gorleben · Geschützt von 10 000 Polizisten trafen die zwölf Castor-
Behälter am Mittag in Dannenberg ein. Dort wurden sie für die letzten 20 
Kilometer bis ins Zwischenlager Gorleben auf Tieflader umgesetzt. Der 
letzte Teil der Reise ins Zwischenlager Gorleben muss auf der Straße 
zurückgelegt werden. Bis zum Montagnachmittag war noch nicht klar, ob der 
Straßentransport nach Gorleben noch am Abend, in der Nacht oder erst am 
Dienstagmorgen erfolgen sollte.

Der Widerstand der Castor-Gegner war nach Einschätzung der Polizei bis 
Montagnachmittag geringer als in den Vorjahren. "Es ist deutlich ruhiger 
als bei früheren Transporten", sagte Polizeisprecher Stefan Meyer in 
Lüneburg.

Die Polizei räumte am frühen Montagabend eine Sitzblockade von rund 250 
Atomkraftgegnern in Gorleben. Mit einzelnen Gleisbesetzungen konnten die 
Demonstranten den Zug mit Überresten abgebrannter Brennelemente aus 
deutschen Kernkraftwerken nur kurzfristig stoppen. Bei Harlingen nahe 
Hitzacker besetzten am Montagmorgen rund 150 Demonstranten die Schiene, 
während der Zug Lüneburg erreichte. Nach Angaben der Atomkraftgegner 
wurden dabei mehrere Demonstranten in Gewahrsam genommen oder verletzt. 
Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht. Trotz eines großen 
Polizeiaufgebotes gelangten einige Demonstranten kurze Zeit später wieder 
auf die Schienen und erzwangen bis zur Räumung einen kurzen Stopp des 
Transportes. Neben dem Bahndamm zündeten Atomkraftgegner große 
Strohballen an, die die Polizei mit Wasserwerfern zu löschen versuchte. 
Als der Castor-Zug die Stelle im Schritttempo passierte, stieg noch 
dichter Rauch auf.

In der Nacht zum Montag hatte die Polizei vor der Durchfahrt des Zuges 
nahe Göttingen mehrere Castor-Gegner an den Gleisen in Gewahrsam 
genommen. Der Zug habe den Bereich ohne außerplanmäßigen Halt passieren 
können, hieß es. Kurz nach dem Überqueren der französisch-deutschen 
Grenze war es am Sonntag einem guten Dutzend Atomkraftgegner gelungen, 
den Zug bei Bietigheim-Bissingen nahe Stuttgart in Baden-Württemberg für 
eineinhalb Stunden zum Stehen zu bringen.

70 Traktoren beschlagnahmt

Nach der Ankunft des Transports wollten die Atomkraftgegner ihren Protest 
auf die beiden Straßen nach Gorleben verlagern. Ungeachtet des 
Demonstrationsverbotes hatten in der Ortschaft Klein Gusborn vom 
Sonntagnachmittag an Bauern mit 160 Traktoren zwölf Stunden lang eine 
Straßenblockade errichtet. Mehr als 70 Trecker seien sichergestellt 
worden, teilte die Polizei mit. Der neunte Castor-Transport war am 
Samstag von der Verladestation Valognes nahe der 
Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague (Frankreich) gestartet.

Die Grünen warnten die große Koalition vor einer Verengung der Suche nach 
einem Endlager für Atommüll auf Gorleben. Die Union habe das Ziel, in 
Gorleben zu bauen, sagte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer in Berlin. Die 
Sprache des Koalitionsvertrags in dieser Frage sei verwaschen. dpa/rtr