rtr: Oettinger löst neuen Streit über Atompolitik aus
Reuters, 04.12.05
> Oettinger löst neuen Streit über Atompolitik aus
Berlin (Reuters) - Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger hat mit seiner Forderung nach einer Laufzeitverlängerung für
Atomkraftwerke neuen Streit mit der SPD über die Energiepolitik
ausgelöst.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nannte die Forderung des CDU-
Ministerpräsidenten abseitig, die große Koalition in Berlin solle
nochmals über eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke
nachdenken. Es bleibe bei dem mit der Union im Koalitionsvertrag
vereinbarten geordneten Ausstieg aus alten Technologien, sagte Heil dem
Deutschlandradio Kultur nach Mitteilung des Senders. "Die alten Meiler,
die Herr Oettinger und einige Energielobbyisten länger laufen lassen
wollen, sind bereits abgeschriebene Atomkraftwerke", sagte Heil weiter.
Eine Verlängerung der Laufzeiten wäre für Wirtschaft und Arbeitsplätze
kontraproduktiv, da dadurch Investitionen in moderne Kraftwerkstechniken
ausgebremst würden.
Oettinger hatte in der "Bild am Sonntag" beklagt, das Festhalten am
Atomausstieg treffe sein Land besonders, da das Atomkraftwerk
Neckarwestheim I, an dem Tausende Arbeitsplätze hingen, im Jahr 2009
schließen müsse. Das sei im Landtagswahlkampf "nicht gerade hilfreich".
Daher solle die große Koalition im Bund aus Union und SPD nochmals über
eine Verlängerung der Laufzeiten nachdenken.
In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz werden am 26. März 2006 neue
Landtage gewählt. Die Wahlen gelten als erster Stimmungstest auch zur
Arbeit der großen Koalition im Bund.