ddp: Laufzeit von Atomkraftwerken entzweit Union und SPD
DDP, 05.10.05
> Laufzeit von Atomkraftwerken entzweit Union und SPD
Düsseldorf (ddp). Union und SPD gehen im Streit um die Laufzeiten von
Atomkraftwerken auf Konfrontationskurs. Unions-Politiker argumentieren,
angesichts der neuesten alarmierenden Erkenntnisse über den Klimawandel
müsse sich die SPD in dieser Frage bewegen. «Es kann nicht sein, dass die
Sozialdemokraten von vornherein sagen, sie ließen über längere Laufzeiten
nicht mit sich verhandeln», sagte der umweltpolitische Sprecher der
Unions-Fraktion, Peter Paziorek, dem «Handelsblatt» (Mittwochausgabe).
Paziorek die SPD auf, ihre Haltung zu überdenken. Die jüngsten
wissenschaftlichen Kenntnisse sprächen eindeutig für eine längere Nutzung
der kohlendioxidfreien Energiegewinnung in Atomkraftwerken. Der Unions-
Politiker verwies auf eine in der vergangenen Woche veröffentlichte
Studie des Max-Planck-Instituts für Meteorologie. Danach wird sich das
Klima in den kommenden Jahrzehnten weitaus schneller verändern als
bislang angenommen.
SPD-Fraktionsvize Michael Müller bezeichnete Pazioreks Argumentation in
der Zeitung als nicht haltbar. Das Klimaproblem lasse sich nicht lösen,
indem man auf die Atomkraft setze. Dazu sei die Effizienz der
Atomkraftwerke zu gering und deren Beitrag bei der Energieproduktion zu
klein.
In der «Berliner Zeitung» (Mittwochausgabe) stellte Müller zudem klar,
die SPD werde auch im Falle einer großen Koalition mit der Union auf dem
Ausstieg aus der Kernenergie bestehen. «Der Atomausstieg ist für uns
nicht verhandelbar», sagte er. Darüber gebe es bei den Sozialdemokraten
einen großen Konsens. «Ich fordere die Union auf, dies in den
Verhandlungen zu akzeptieren», betonte Müller.
Auch der SPD-Umweltpolitiker Ulrich Kelber warnte im «Handelsblatt», eine
Verlängerung der Laufzeiten bringe den Klimaschutz nicht weiter. Die
Probleme Entsorgung von Atommüll und Atommülltransport seien keineswegs
gelöst. Auch werde der Beitrag der Atomkraft zum Klimaschutz überschätzt.
(ddp)