StZ: Feuer bei Panne in Atommeiler
Stuttgarter Zeitung, 11.10.05
> Feuer bei Panne in Atommeiler
> EnBW meldet Vorfall doch
STUTTGART. Bei der Panne vorige Woche im Kernkraftwerk Neckarwestheim 1
ist es zu einem kleinen Brand gekommen, der per Feuerlöscher erstickt
wurde. Der Stromkonzern EnBW hat den Vorfall nun doch offiziell gemeldet,
allerdings als harmlos.
Von Andreas Müller
Der erste Block des Doppelreaktors war am Dienstag voriger Woche
kurzfristig abgeschaltet worden. Dies sei rein vorsorglich geschehen,
weil sich an einer Hauptkühlmittelpumpe Rauch entwickelt habe, teilte die
Energie Baden-Württemberg (EnBW) als Betreiber mit. Ebenfalls vorsorglich
sei eine für solche Fälle installierte Sprühwasseranlage eingeschaltet
worden.
Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung ist es bei dem Zwischenfall
auch zu einem kleinen Brand gekommen. Die Flammen wurden von einem
Mitarbeiter mit dem Handfeuerlöscher erstickt. Dies bestätigte auf
Anfrage ein Sprecher des Stuttgarter Umweltministeriums, das für die
Atomaufsicht zuständig ist. Ursache des Brandes war offenbar Öl, das aus
der Kühlmittelpumpe auf ein heißes Bauteil tropfte und sich entzündete.
Dies konnte nur geschehen, weil die vorgesehene Auffangschale nach der
Revision nicht montiert war. In der Checkliste für das Wiederanfahren
soll diese Position gefehlt haben. Am Mittwoch hatte die EnBW mitgeteilt,
das Problem sei behoben und der Reaktor wieder angefahren worden.
Gestern stufte der Stromkonzern die Panne doch als meldepflichtig ein,
nachdem er dies vorige Woche noch geprüft hatte. Ein Sprecher des
Umweltministeriums sagte, die EnBW habe eine Meldung der Kategorie N
(Normal) und Ines 0 (keine oder geringe sicherheitstechnische Bedeutung)
abgegeben. Er lobte die schnelle Reaktion des Betreibers auf den
Zwischenfall, nannte diesen selbst jedoch "ärgerlich".
Auch das Bundesumweltministerium hat sich unterdessen in den Fall
eingeschaltet. Nach StZ-Informationen verlangte es vom Land detaillierte
Auskünfte über das Vorkommnis. Die baden-württembergische Atomaufsicht
hat die Fragen inzwischen ausführlich beantwortet.